Somewhere

Filmposter Somewhere

5/10

Originaltitel: Somewhere
USA | 2010 | ca. 94 Min. | FSK: ab 12
Drama
Regie: Sofia Coppola
Drehbuch: Sofia Coppola
Besetzung: Stephen Dorff, Elle Fanning, Chris Pontius u.a.
Kinostart: 11.11.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 14.04.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter | film zeit

Worum geht’s?

Der Schauspieler Johnny Marco hat einen Ferrari, viele Fans und Frauen, aber ist nicht glücklich. Im Hotelzimmer lebt der Mittdreißiger in den Tag hinein und reist verschlafen von Termin zu Termin. Seine elfjährige Tochter Cleo ist der einzige Lichtblick in seinem tristen Alltag. Sie verbringt einige Zeit mit ihm, nachdem die Mutter angibt, sich eine Weile um sich selbst kümmern zu müssen. Schließlich fragt Johnny sich, was für ein Leben er eigentlich lebt.

Wie ist der Film?

„Somewhere“ ist eher „Something“, something ist irgendetwas und irgendetwas ist nichts. Mit ihrem Regie-Comeback nach längerer Zeit recycelt Sofia Coppola deutlich erkennbar das Erfolgsrezept ihres grandiosen „Lost in Translation“ (2003), wo Bill Murray sich im exotischen Tokio und einer Midlife-Crisis verliert und man dabei in seinem Gesicht lesen kann wie in einem Buch, selbst wenn er es kaum bewegt. „Somewhere“ ist in jeder Hinsicht die preiswertere Variante, eine Art Nachwehe. Diesmal belässt man es bei Hollywood und ein bisschen Italien, Vater-Tochter-Beziehung statt zarte Romanze und Stephen Dorffs betont zerzaustes Haar plus Dreitagebart anstelle von Murrays Mienenspiel.

„Somewhere“ verzichtet auf Dramaturgie; die Spannungskurve ist keine Kurve, sondern eine Gerade. Der Film könnte auch ein zu lang geratener Beitrag für die YouTube-Aktion „Life in a day“ sein, bei der jeder User einen selbst gefilmten Einblick in seinen Tagesablauf einschicken konnte. Doch wenn Sofia Coppola das macht und es auch noch im Schauspielermetier ansiedelt, wird es mit dem Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet, verliehen von Jurypräsident Quentin Tarantino, dem man einst eine Affäre mit Coppola nachsagte. „Somewhere“ ist gepflegte Langeweile, aber wenn man Sofia Coppola heißt, darf man das. Dann nennt man das auch „Independent“ und die Mehrheit der Presse beißt sogleich an, um die Aneinanderreihung leerer Sequenzen mit Deutungen zu füllen.

Ihr Ruhm ist der Regisseurin/Autorin wohl zu Kopf gestiegen, denn mit „Somewhere“ ruht sie sich gefährlich bequem auf ihren Lorbeeren aus und traut ihrem Publikum mehr Geduld zu als es gesund ist. Sicher, wenn der Protagonist sich irgendwann frustriert eingesteht, dass er sein Leben als große Leere empfindet, dann weiß man genau warum, weil man es ausführlich miterlebt hat. Darum geht es und insofern ist Sofia Coppolas Vorhaben gelungen. Doch nachdem der Film – mit einem etwas ungelenk inszeniert wirkenden Hoffungsschimmer – endet, bleibt eigentlich nur zu denken „Es gibt Schlimmeres…“.

Durch den betont einfachen und lakonischen Stil, der viele im Grunde sinnlose Details breittritt, entsteht immerhin ein außergewöhnlicher Realismus. Dazu trägt zweifellos auch das angenehme Spiel der jungen Elle Fanning als aufgeweckte Tochter bei. Sogar der völlig unerwartet engagierte „Jackass“-Star Chris Pontius stellt sich als gelegentliche Nebenfigur ganz gut an. Hauptdarsteller Stephen Dorff ist gerade gut genug, um das große Nichts, das „Somewhere“ ist, tragen zu können.

Bis auf drei, vier Momente ist die leise Komik, welche auch „Lost In Translation“ auszeichnete, so leise, dass sie nur noch ein Gerücht ist. Daher bleibt, bis auf die im Sande verlaufende Andeutung eines Problems der Tochter mit der Mutter, nichts als ein Sammelsurium manchmal fast skurriler aber meist uninteressanter Situationen, dem man mehr Bedeutung und Melancholie beimisst, als da wirklich ist. Untermalt mit ach so schöner Indie-Mucke. Diesen Film muss man sich schön reden, ansonsten ist er nur irgendetwas, irgendwie, irgendwo, irgendwann.

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