Große Regisseure: Stanley Kubrick

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Wer ist Kubrick?

SelbstporträtStanley Kubrick wurde 1929 in New York geboren und wuchs dort mit seinen Eltern sowie später einer jüngeren Schwester auf. Schon als Schüler hatte er vor allem anderen zwei große Interessen: Schach und Fotografie. Als die Nachricht des Todes von Präsident Franklin D. Roosevelt das Land erschütterte, gelang Kubrick ein Schnappschuss eines traurigen Zeitungsverkäufers in seinem Kiosk, neben ihm ein Titelblatt mit der Schlagzeile „F.D.R. DEAD“. Dieses rührende Bild konnte der 16jährige Schülerzeitungsfotograf an das renommierte Magazin „Look“ verkaufen und ließ sich dort nach seinem Schulabschluss festanstellen. Als er u.a. viele Fotos von Boxkämpfen schoss, nicht zuletzt da ihn dieser Sport begeisterte, fand er das Thema für seinen ersten Film – die Kurzdokumentation „Day of the Fight“, die einen Boxer bei der Vorbereitung zu bzw. während einem Kampf zeigt. Nach dieser Erfahrung gab Kubrick seinen Job bei Look auf und beschloss, sein Leben dem Film zu widmen.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre folgten zwei weitere Kurzdokumentationen. Zu dieser Zeit verdiente Kubrick sein Geld durch die Teilnahme an Schachturnieren. Das war nicht viel. Um den ersten Spielfilm finanzieren zu können, ließ Kubricks Vater sich seine Lebensversicherung auszahlen und unterstützte damit seinen Sohn. So entstand 1953 „Fear and Desire“, ein etwa 70minütiger Film über einen fiktiven Krieg. Kubrick wusste damals praktisch nichts über Schauspielerei und hatte auch sonst wenig Ahnung von Regie. Später distanzierte er sich von „Fear and Desire“, konnte damit aber Geld für weitere Projekte verdienen. Mit seinen nächsten drei Filmen wurde er immer professioneller und konnte sich spätestens mit dem Antikriegsfilm „Wege zum Ruhm“ als ernst zu nehmender Regisseur etablieren. Bei den Dreharbeiten lernte er seine spätere Ehefrau Christiane kennen, der er zwei Töchter schenkte und mit der er bis zu seinem Tod verheiratet blieb.

Kirk Douglas, der die Hauptrolle in „Wege zum Ruhm“ spielte, schlug Kubrick als Regisseur für den von ihm produzierten und gespielten „Spartacus“ vor, nachdem der ursprüngliche Regisseur nach wenigen Drehtagen gefeuert worden war. Kubrick nahm das Mammut-Projekt selbstbewusst an, war jedoch unglücklich darüber, dass er als Regisseur wenig Entscheidungsfreiheit hatte, z.B. über das Drehbuch. Dafür wurde der Film ein kommerzieller Erfolg (vier Oscars) und bescherte Kubrick endgültige Anerkennung in Hollywood. Fortan machte Kubrick nie wieder einen Film, ohne die volle Kontrolle über Drehbuch und Inszenierung zu haben. Ebenso, mehr oder weniger absichtlich, machte er nie wieder einen Film, der nicht in irgendeiner Form kontrovers war.

Kubrick 1968Kubrick war ein Familienmensch, zudem sehr tierlieb und wurde von seinen Mitarbeitern oft als warmherziger, humorvoller Mensch beschrieben. Er konnte jedoch auch sehr grausam sein und trieb seine Darsteller ans Limit. Er verweigerte es stets, sich einem Zeitplan zu unterwerfen und drehte immer so lange, bis die Szene perfekt war. Daher war Kubrick oft überdurchschnittlich lange mit einer Szene bzw. Dreharbeiten beschäftigt. Er war ein echter Perfektionist – so nannten ihn sowohl die Presse als auch seine Mitmenschen. Kubrick wollte sich in seiner Filmografie nicht wiederholen, sondern immer wieder neu erfinden und versuchte sich erfolgreich an ganz verschiedenen Genres. Auch wenn er streng genommen ganze drei Kriegsfilme drehte, so war das Thema jedes Mal von einem anderen Standpunkt beleuchtet und mit anderer Technik verfilmt. Für jedes neue Filmthema, das Kubrick in Angriff nahm, recherchierte er sehr gründlich. Seit „Die Rechnung ging nicht auf“ (1956) diente ihm immer ein von ihm gewähltes Buch als Grundlage. Für das Drehbuch zog er stets Experten der jeweiligen Themengebiete als Co-Autoren heran; manchmal auch gleich den Autor der Romanvorlage.

Christiane Kubrick erzählt, dass ihr Mann unglücklich darüber war, dass er in all den Jahren nur so wenige Filme gemacht hatte. Doch die sehr ausführliche Vorbereitung sowie die langen Dreharbeiten pro Film erlaubten es nicht anders. Außerdem sah sich Kubrick mehrmals gezwungen, ein bereits gründlich vorbereitetes Projekt wieder zu verwerfen: Napoleon Bonaparte hatte Kubrick schon immer fasziniert. Als er schon ein Drehbuch über dessen Geschichte geschrieben hatte, erschien 1970 der Napoleon-Film „Waterloo“ und war mehr oder weniger ein Flopp, was Kubrick einen Strich durch die Rechnung machte. Ähnlich unglücklich ist die Tatsache, dass kurz vor Kubricks Vietnamkriegsfilm „Full Metal Jacket“ Oliver Stones „Platoon“ erschien, der sich ebenfalls um den Vietnamkrieg dreht. Im selben Jahr wie Kubricks Satire „Dr. Seltsam“ erschien ein Film mit der gleichen Grundidee, nur als Drama. Eines seiner langjährigen Lieblingsthemen – Holocaust – gab Kubrick auf, als Steven Spielberg 1993 „Schindlers Liste“ veröffentlichte. Spielbergs Film „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001) war sogar ursprünglich ein Projekt von Kubrick, doch er gab es an Spielberg ab, da er fand, es passe besser zu Spielberg.

Über die Jahre haben sich in Stanley Kubricks Filmen einige immer wiederkehrende Markenzeichen entwickelt. Folgendes ist „typisch Kubrick“:
– eine zentral im Raum aufgestellte Kamera, sodass sich der Fluchtpunkt der Linien genau in der Bildmitte befindet
– selten ist der Protagonist eine Identifikationsfigur (was normalerweise üblich ist), sondern wird distanziert betrachtet und/oder ist psychisch gestört
– besonders lange Einstellungen bzw. lange, weiche Kamerafahrten
– bekannte klassische Musik als Teil des Soundtracks
– der „Kubrick-Blick“ – ein finsterer, bohrender Blick einer Hauptfigur in Richtung Kamera, mit geneigtem Kopf, zu sehen in „Uhrwerk Orange“ (Anfangsszene), „Shining“ (Jack starrt aus dem Fenster) und „Full Metal Jacket“ (Private Paula kurz vor dem Selbstmord)

Vor „Eyes Wide Shut“ lebte Kubrick lange vor der Öffentlichkeit zurückgezogen und erhielt von der Presse aufgrund seiner unkonventionellen Arbeitsweise das Image des Wirrkopfs. „Eyes Wide Shut“ wurde sein letzter Film, obwohl er nie als solcher geplant war, da Kubrick wie immer noch genügend andere Ideen im Kopf hatte. Kubrick war als Regisseur schwierig und detailverliebt, wusste dafür aber, wie man gekonnt Konventionen bricht und einen Meilenstein nach dem anderen kreiert. Bei Kritikern fielen Kubricks Filme damals oft durch, doch heute werden sie rückblickend von allen Seiten als Meisterwerke gefeiert. Dennoch erhielt Kubrick (außer für die Spezialeffekte in „2001“) nie einen Oscar. Als Kubrick die mühsame, intensive Arbeit an „Eyes Wide Shut“ abgeschlossen hatte und erste Vorführungen sehr positiv aufgenommen wurden, schien eine riesige Last von ihm zu fallen. Unmittelbar danach verstarb er im Alter von 70 Jahren an einem Herzinfarkt in England, wo er ab den frühen 60ern lebte und seine Filme drehte.

Quellen: „Stanley Kubrick: A Life in Pictures“ (Dokumentation, 2001), Wikipedia
Bilder: Stanley Kubrick, James Vaughan

Die Filme

1953: Fear and Desire
1955: Der Tiger von New York
1956: Die Rechnung ging nicht auf
1957: Wege zum Ruhm
1960: Spartacus
1962: Lolita
1963: Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben
1968: 2001 – Odyssee im Weltraum
1971: Uhrwerk Orange
1975: Barry Lyndon
1980: Shining
1987: Full Metal Jacket
1999: Eyes Wide Shut

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