Summer Wars

DVD-Cover Summer Wars

8/10

Originaltitel: Samā Wōzu
JP | 2009 | 114 Min. | FSK: ab 12
Anime, Science-Fiction
Regie: Mamoru Hosoda
Drehbuch: Satoko Okudera
Synchronistation: Ryūnosuke Kamiki / Tobias Diakow, Nanami Sakuraba / Katrin Heß u.a.
Kinostart: 12.08.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 26.11.10

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Bild © AV Visionen

Worum geht’s?

Ein heißer Sommer in naher Zukunft: Der schüchterne, aber mathematisch hochbegabte Kenji, der bei seiner Schulfreundin Natsuki und deren Großfamilie zu Gast ist, entschlüsselt einen per SMS enthaltenen Zahlencode. Ohne es zu wissen, erlaubt er damit einem Hacker, seinen Avatar in der virtuellen Welt „OZ“ zu stehlen und dort alles durcheinander zu bringen. Die Menschheit ist von „OZ“ so abhängig geworden, dass durch den immer mächtiger werdenden Hacker auch die Wirtschaft im realen Leben zusammenbricht. Es stellt sich heraus, dass sowohl Ursache als auch Lösung des Problems in Natsukis Familie liegen.

Wie ist der Film?

Dieser Anime, dessen Thematik in Zeiten der WikiLeaks- und Hacker-Skandale aktueller nicht sein könnte, geht uns in gewisser Weise alle etwas an. Die zum einen überzeichnete, andererseits genau ins Schwarze treffende Zukunftsvision (oder vielleicht besser: alternative Realität) von Regisseur Mamoru Hosoda („Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“) ist eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Technisierung der Welt‘. Gleichzeitig ist „Summer Wars“ aber auch ein bunter Unterhaltungsfilm, sogar für (fast) die ganze Familie. Parallelen zu „Matrix“ und „Avatar“ – wie bei so vielen jüngeren Sci-Fi-Filmen – sind zwar da, aber in diesem Fall so eigensinnig weitergedacht, dass man „Summer Wars“ nur als wirklich originell bezeichnen kann.

Hinzu kommt, dass der Science-Fiction-Geschichte auch einige andere Subgenres wie z.B. die Coming-of-Age-Komödie oder das Familiendrama beigemischt wurden. Ein klein wenig Pokémon/Digimon/Dragonball-Flair (Zweikämpfe in der virtuellen Welt) ließen sich die Macher auch nicht nehmen. Insgesamt eine bunte aber stimmige Mixtur, die letztendlich wieder erstaunlich nah am wahren Leben ist. Denn „Summer Wars“ bietet eine breite Fläche für gesellschaftskritische Deutungen, wenn nicht gerade explizit die amerikanische Regierung als Schuldträger genannt wird.

Man weiß so gut wie nie, wohin die Geschichte als nächstes führen wird, was dem Drehbuch sehr positiv auszulegen ist. Es sprüht nur so vor Ideen und jongliert mit einem ganzen Haufen von Haupt- bzw. wichtigen Nebenfiguren, bleibt dabei aber immer kontrolliert und verliert nie das Wesentliche aus den Augen. Als interessanter Nebeneffekt lassen sich in vielen Szenen sehr schön die Unterschiede zwischen japanischer und mitteleuropäischer Kultur beobachten, da die äußeren Rahmenbedingungen quasi gleich, die menschlichen Verhaltensmuster aber recht unterschiedlich sind.

Aus europäischer Sicht wirkt die Internetwelt „OZ“ – wo der klassische Zeichentrick mit imposanten 3D-Animationen erweitert wird – natürlich noch fantastischer. Dennoch darf man „Summer Wars“ zu den eher zugänglichen Animes zählen. Es ist ein wohl überlegter Film mit faszinierender Optik sowie pathetischer aber schöner Musik, der Spannung erzeugen, zum Lachen bringen und berühren kann und sich den Kitsch immerhin bis ganz zum Schluss aufhebt. Dieses facettenreiche Filmerlebnis hat es jedenfalls verdient, neben „Toy Story 3“ in der Nominierten-Liste des Oscars in der Kategorie „Bester Animationsfilm 2010“ aufzutauchen.

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