The Amazing Spider-Man

Filmposter The Amazing Spider-Man

6.5/10

Originaltitel: The Amazing Spider-Man
USA | 2012 | 136 Min. | FSK: ab 12
Action, Comicadaption
Regie: Marc Webb
Drehbuch: Alvin Sargent, Steven Kloves
Besetzung: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans u.a.
Kinostart: 28.06.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 08.11.12

Links zum Film:
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Bilder © Sony Pictures

Worum geht’s?

Der bei Onkel und Tante lebende Außenseiter Peter Parker entdeckt eine Aktentasche, die seinem Vater gehörte. Peters Eltern verschwanden auf mysteriöse Weise, als er noch klein war. Der Inhalt der Tasche führt Peter zu dem Wissenschaftler Dr. Curt Connors. Ein Spinnenbiss im Labor entfacht in dem Teenager außergewöhnliche Kräfte, während Dr. Connors mit Peters Hilfe ein Serum entwickelt, das seinen verlorenen rechten Arm wieder wachsen lassen soll, jedoch weit mehr anrichtet.

Wie ist der Film?

Notwendigkeit eines frühen Reboots hin oder her, es ist in erster Linie Geschmacksache, wie einem der neue Ansatz in „The Amazing Spider-Man“ gefällt. Als nach „Spider-Man 3“ feststand, dass der Erfolg zu groß war, um aufzuhören, das bisherige Team aber nicht mehr für eine Fortsetzung zurückkehren würde, entschloss man sich dazu, die Geschichte um Peter Parker einfach nochmal neu zu erzählen. Einerseits dreist und überflüssig, zumal Sam Raimis „Spider-Man“ lediglich zehn, „Spider-Man 3“ sogar nur fünf Jahre zurückliegt, andererseits aber auch folgerichtig. Als Regisseur wurde Marc Webb verpflichtet, der erst einen Kinofilm vorzuweisen hatte – die Liebeskomödie „(500) Days of Summer“. Warum ausgerechnet er mit einer derartigen Verantwortung betraut wurde, bleibt bis auf weiteres ein Rätsel. Er hat allerdings bewiesen, dass er das Projekt stemmen kann.

Szenenbild The Amazing Spider-ManErleichterung und Anerkennung: „The Amazing Spider-Man“ ist mehr als eine Variation von Bekanntem. Zunächst taucht die Geschichte tiefer in Peters Vergangenheit ein und konzentriert sich auf das bislang ungeklärte Verschwinden seiner Eltern. Ferner gibt es einen neuen Bösewicht und obendrein ist nicht die rothaarige Mary Jane die Angebetete des Helden, sondern Gwen Stacy, in der Comicvorlage tatsächlich Peters allererste Liebe. Auch darüber hinaus definieren Webb und seine Autoren den Spidey-Kosmos auf ihre eigene Weise (ohne sich allzu weit von der Quelle zu entfernen). So ist Peter Parker kein klassischer Verlierertyp mehr, sondern lediglich ein Einzelgänger, das Verhältnis zu Onkel und Tante lässiger. Andrew Garfield („The Social Network“), vordergründig nur ein typischer Teenie-Schwarm, interpretiert seine Rolle mit angenehm natürlichem Charme.

Die allseits beliebte Emma Stone („Zombieland“, „Einfach zu haben“, „Crazy, Stupid, Love.“) kann als weibliche Hauptfigur locker mit ihrer Vorgängerin Kirsten Dunst mithalten und überzeugt mit ihrer lieblichen Ausstrahlung, auch wenn es etwas lächerlich ist, dass sie mit Mitte 20 und offensichtlicher Reife eine Siebzehnjährige spielt. Garfield ist sogar nochmal fünf Jahre älter, was allerdings weniger auffällt. Rhys Ifans (Durchbruch als verrückter Mitbewohner in „Notting Hill“) ist zumindest einer der stärkeren Bösewichte der bisherigen Spider-Man-Filme. Und ob es nun Martin Sheen („Badlands – Zerschossene Träume“) oder Cliff Robertson ist, der Onkel Ben spielt, so etwas tut sich im Grunde nichts – auf die Definition von Charakteren und Grundstimmung kommt es an.

„The Amazing Spider-Man“ ist trotz humoriger Einschübe ein sehr ernster Film, gerade im Vergleich mit den Vorgängern von Raimi. Ganz im aktuellen „The Dark Knight“-Trend regiert der Anspruch, alles ein wenig realistischer zu gestalten. Dies bringt einen merklich ruhigeren Grundton mit sich – und hier geht „The Amazing Spider-Man eine Gefahr ein: ‚ruhig‘ wird zu ‚kühl‘ und ‚kühl‘ im schlimmsten Falle zu ‚distanziert‘. Da helfen auch selbstzweckhafte POV-Shots nichts. Es kommt dann auch die berechtigte Frage auf, ob es denn wirklich 136 Minuten Gesamtlänge sein mussten, obwohl die Zeit relativ flott vergeht. Dass Spider-Mans Netz-Schuss diesmal selbstgebaut ist, statt dass er einfach so aus dem Handgelenk kommt, ist in der Umsetzung übrigens auch nicht realistischer.

Die Effekte sind selbstredend hervorragend, das Ensemble wie bereits erwähnt gut und die Musik von James Horner („Braveheart“, „Titanic“, „Avatar“) passt, wenngleich sie nicht im Gedächtnis bleibt. Die wirklichen Schwächen lauern nur im Drehbuch. So wirkt das unvermeidliche Ausscheiden der Figur des Onkel Ben etwas unmotiviert, wie eine Pflicht, die eben erfüllt werden muss. Und dass der damit verbundene Nebenplot irgendwann fallengelassen wird, um ihn in einer Fortsetzung wieder aufzugreifen, ist zwar an sich legitim, doch sicherlich nicht elegant. Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zwischen Gwen und Peter, welche von Bösewicht Lizard unsanft in die Ecke gedrängt zu werden scheint. Und das Seltsamste: Nachdem die Figur so mühsam aufgebaut wurde, hat man die meiste Zeit das Gefühl, dass es gar nicht mehr um Spider-Man selbst geht. Da hat Raimis damalige Umsetzung die Einzelteile merklich homogener miteinander verflochten.

In zehn Jahren kann sich doch einiges ändern. Webb gelingt es nicht ganz, das Publikum auf die innere Reise des Protagonisten mitzunehmen, wohl aber eine spektakuläre, eigenständige Neuauflage des beliebten Spinnenmenschen zu kreieren, pünktlich zu dessen 50. Geburtstag. „The Amazing Spider-Man“ ist eine Variante der raueren Gangart, etwas weniger Comic-artig, mit einem gesunden Maß an Tiefe angesichts der vielschichtigen Kontrahenten und der Moral über Entscheidungsfindung, aber auch mit der erwarteten Popcorn-Action und Klischees. Der 3D-Effekt ist übrigens bis auf wenige Augenblicke erstaunlich überflüssig. Auch hier bleibt der Eindruck zurück, dass das ganze Konzept erst durch die Fortsetzung ausreifen kann. Wir werden sehen.

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1 Kommentar

  1. Für einen modernen Blockbuster doch erstaunlich langweilig. Und die “ realistischen“ Erklärungsversuche, sind, wie der ganze sinnlose HiTec Kram im Film wirklich lächerlich.
    Uberflüssig.

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