The Artist

Filmposter The Artist

7.5/10

Originaltitel: The Artist
FR | 2011 | 100 Min. | FSK: ab 6
Stummfilm, Komödie, Drama, Liebesfilm
Regie: Michel Hazanavicius
Drehbuch: Michel Hazanavicius
Besetzung: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman u.a.
Kinostart: 26.01.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 13.09.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Delphi Filmverleih

Worum geht’s?

Hollywoodland. Frauenschwarm George Valentin ist der größte Star des Stummfilms und badet zufrieden im Rampenlicht. Durch Zufall zieht er einen weiblichen Fan namens Peppy Miller mit in die mediale Aufmerksamkeit. Als Valentin von seinem Stammproduzenten mit der Erfindung des Tonfilms konfrontiert wird und diese nicht ernst nehmen will, ist seine Karriere zunehmend bedroht. Unterdessen wird Peppy zu einem neuen Stern am Filmhimmel.

Wie ist der Film?

Szenenbild The ArtistFilme über Film, da kann man bei Filmfans natürlich fast nichts falsch machen. Wenn dann noch ein erheblicher Nostalgiefaktor hinzukommt, sind den Machern die Herzen des geneigten Publikums nahezu sicher. Diesem Rezept folgt eben auch „The Artist“, mit wahrer Hingabe und daher auch mit Bravur. Ausgerechnet eine französische Produktion liefert eine tiefe, amerikanische Verbeugung vor dem klassischen Hollywoodkino. Eine wirklich entzückende Zeitreise, bei der man sich fragen muss, mit welcher Herangehensweise man sie bewerten kann. Da „The Artist“ bis auf eine dünne Metaebene so konsequent im Stile der alten Streifen gemacht ist, voller Referenzen aber eben auch mit einer eigenen Geschichte, darf man auch den direkten Vergleich mit selbigen heranziehen. Und so gesehen kommt „The Artist“ mit bekannten Stärken und Schwächen daher.

Kino, Glanz und Gloria, in gewisser Weise in ihrer ursprünglichsten Form – so beginnt der Film und macht es einem daher leicht, sich in ihn zu verlieben. Tatsächlich kann man vergessen, dass es sich ja eigentlich um einen modernen Film handelt, so authentisch sind Form und Ensemble. Hauptdarsteller Jean Dujardin – bekannt aus den Agentenparodien „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ und „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“, ebenfalls von Regisseur Michel Hazanavicius – ist eine Wucht. Für „The Artist“ darf er in puncto Ausstrahlung getrost der neue Gene Kelly („Singin’ in the Rain“) genannt werden. Gerade als man seines Grinsens überdrüssig wird, legt er noch einige weitere Facetten seiner ungeheuren Präsenz frei. Die im Rest der Welt bis dato recht unbekannte Französin Bérénice Bejo weiß an Dujardins Seite mitzuhalten und spielt bezaubernd. Als Sahnehäubchen darf man überdies bekanntere Gesichter wie John Goodman – toll als Klischee-Filmproduzent – und Malcolm McDowall („Uhrwerk Orange“) entdecken.

Der Look des guten alten Stummfilms à la „Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen“ und wie sie alle heißen ist in „The Artist“ mit Liebe zum Detail nachempfunden. Das Wichtigste dabei ist, dass Kamerachef Guillaume Schiffman das eigentlich längst nicht mehr verwendete, fast quadratische Format 1,33:1 hervorragend ausschöpft und darin glänzende Bilder komponiert, ohne zu sehr von der Handlung abzulenken. Die Handlung selbst ist geschickt auf die Grundidee abgestimmt: Wie das Publikum erleben die Charaktere das klassische Kino und dessen Entwicklungen. Als Kern dient allerdings eine konventionelle Geschichte von Aufstieg, Fall und Liebe, die zwischen ihren emotional stärksten Momenten auch ihre Längen hat.

Wie Mimik und Körpersprache der Figuren ist es insbesondere auch die Musik, die die Geschichte erzählt und trägt. Es ist der Inbegriff der Filmmusik, die Hazanavicius Hofkomponist Ludovic Bource da geschaffen hat, mit einer kompletten, mitreißenden Gefühlspalette. Zwar keine von Grund auf neue Musik – beispielsweise wurde eine Passage aus Hitchcocks „Vertigo“ direkt übernommen, was „Vertigo“-Darstellerin Kim Novak empörte – doch auch Zitate können im Kontext zu großer Kunst werden, weiß man spätestens seit Tarantino.

Das muss man sich erst mal trauen, in Zeiten von IMAX und 3D-Hype so konsequent zurück zu den Wurzeln zu gehen und trotzdem dafür zu sorgen, dass die Geschichte bei einem modernen Publikum noch funktioniert. „The Artist“ hat es geschafft. Doch das ist weniger eine Revolution als schlichtweg eine lobenswerte Erinnerung an eine vergangene, schöne Zeit.

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3 Kommentare

  1. „Das muss man sich erst mal trauen, in Zeiten von IMAX und 3D-Hype so konsequent zurück zu den Wurzeln zu gehen und trotzdem dafür zu sorgen, dass die Geschichte bei einem modernen Publikum noch funktioniert. „The Artist“ hat es geschafft. Doch das ist weniger eine Revolution als schlichtweg eine lobenswerte Erinnerung an eine vergangene, schöne Zeit.“

    Das kann ich so 1:1 unterschreiben.

  2. Ein toller Film. Was da alles in den Gesichtern passiert. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren noch den ein oder anderen stummen Schwarz/ Weiß Film sehen werden.

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