The Dark Knight

Filmposter The Dark Knight

7.5/10

Originaltitel: The Dark Knight
USA | 2008 | 152 Min. | FSK: ab 16
Comicadaption, Thriller, Action
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan
Besetzung: Christian Bale, Heath Ledger, Gary Oldman, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal, Michael Caine, Morgan Freeman u.a.
Kinostart: 21.08.08
DVD/Blu-Ray VÖ: 17.12.08

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Worum geht’s?

Batman arbeitet mit Polizist James Gordon zusammen. Dieser erzählt ihm vom einem skrupellosen Anarchisten ohne Identität, dem Joker. Joker bietet der Mafia von Gotham an, Batman gegen die Hälfte ihres Vermögens zu töten. Er will so lange Menschen umbringen, bis der Mann im Fledermauskostüm sein Gesicht zeigt. Batman und Gordon holen sich den von den Bürgern als Hoffnungsträger gefeierten Staatsanwalt Harvey Dent, der jetzt mit Bruces Jugendliebe Rachel zusammen ist, ins Boot. Als Dent vorgibt, Batman zu sein um den echten Batman zu schützen, beginnt eine gnadenlose Jagd…

Wie ist der Film?

Autorenfilmer Christopher Nolan („Memento“, „Prestige – Die Meister der Magie“) hatte dem Ende der 90er an die Wand gefahrenen Batman-Franchise mit dem Neustart „Batman Begins“ sehr erfolgreich frisches Leben eingehaucht, sodass eine Fortsetzung außer Frage stand. Für „The Dark Knight“ hatte Nolan sich mit seinem unveränderten Gewinnerteam noch einiges mehr aufgehalst als beim Vorgänger, ebenfalls erfolgreich, was im direkten Vergleich gut erkennbar ist. Doch mit den Dimensionen, die dieses Projekt annehmen sollte, haben sicherlich nicht einmal die Macher selbst gerechnet: Potenzierung des Erfolgs von „The Dark Knight“, Weltrekorde an den Kinokassen, eine regelrechte Neudefinierung des Begriffs ‚Hype‘ und acht Oscar-Nominierungen – mehr als jeder andere auf Comics basierende Film zuvor.

Grund des irren Triumphzugs von „The Dark Knight“ ist eine Mischung aus starkem, visionärem Handwerk in allen wichtigen Teilbereichen, gekonnter Zeitgeisterfassung und dem tragischen Tod des Haupt-Nebendarstellers Heath Ledger sechs Monate vor Kinostart, wodurch sich die große Marketingkampagne quasi verselbstständigte und die Emotionen vollends überkochten. Betrachtet man alles nach einiger Zeit mit gesundem Abstand, bleibt eine gelungene Fortsetzung, die sich den nötigen Pflichten der vorangegangenen Einleitung entledigt und verdammt gekonnt eine komplexe Geschichte erzählt. Eine Fortsetzung, die so viel will, dass sie nicht perfekt sein, aber unter Umständen immerhin restlos plätten und faszinieren kann.

„The Dark Knight“ ist in vielen elegant-dynamisch geschnittenen, geschickt verwebten Handlungssträngen erzählt. Dem zu folgen kann in der ersten Hälfte zuweilen ein bisschen zäh sein. Dafür macht sich die Handlung nochmal zu Höhenflügen auf, wenn ein durchschnittlicher Spielfilm schon zu Ende wäre. Eine heikle Dramaturgie, die aber letztlich aufgeht. Die zackigen Schauplatzwechsel sind stets der Fülle an Charakteren und deren Entwicklungen, keinem Selbstzweck geschuldet. Und die Charaktere wiederum begründen sich immerzu gegenseitig. Ein glänzend ausgearbeitetes Konzept, in dem manches lediglich zu kurz kommt, zwangsläufig, bei diesen Ausmaßen.

Jokers Hintergründe gänzlich auszusparen ergibt noch durchaus Sinn und dient der Wirkung der Figur. Den Feldzug des zweiten, ursprünglich für einen dritten Film vorgesehenen Bösewichts auch noch mit reinzunehmen und drastisch zu verkürzen, ist dank der geschickten Integrierung gerade noch im Rahmen. Fiesling Scarecrow aus dem Vorgängerfilm wird anfangs nach einem Kurzauftritt sofort wieder abgewürgt – das ist dann wirklich überflüssig. Von allem ein bisschen, oder vielleicht eher: von allem so viel wie möglich… Doch die leisen Anflüge von Größenwahn wischen Nolan und sein Team mit ihrer Kompetenz immer wieder hinfort und ziehen sich damit aus der Affäre, dass alle Figuren ein fest zusammenhängendes Netz bilden.

Wie nie zuvor fixiert sich dieser „Batman“ auf seine Charaktere und nimmt sie alle ernst. Christian Bales engagierte Darbietung in der titelgebenden Hauptrolle hat es zwischen einer sperrigen Ganzkörperverhüllung plus komisch verstellter Stimme und aufgesetztem Milliardärsgehabe zum Selbstschutz ziemlich schwer, nicht unglücklich abzuschneiden, im Vergleich mit den Hochkarätern, die sich um ihn scharen. Der Besetzungswechsel von der blassen Katie Holmes („Batman Begins“) zur charismatischen Maggie Gyllenhaal ist schnell akzeptiert und willkommen. Die Altmeister Michael Caine und Morgan Freeman überzeugen als subtile Zahnräder des Ensembles und machen Stimmung. Aaron Eckhart alias Harvey Dent ist als strahlender Ritter und neue Schlüsselfigur im Bat-Universum sehr präsent. Gary Oldman darf sich als Gordon endlich so richtig entfalten – eine leicht zu unterschätzende aber tragende Rolle, die immer wieder dafür sorgt, dass die Geschichte nicht abhebt. Doch natürlich stiehlt einer ihnen allen die Show: der böse Clown.

Heath Ledger, im ersten Moment eine sehr überraschende Wahl für den Joker, ließ alle Skeptiker verstummen. Mit einer fesselnden Hingabe geht er völlig in seiner schwarzhumorig-wahnsinnigen Rolle auf und macht jede Szene mit ihm zu einem Höhepunkt. Es ist allerdings nicht einfach nur ultimative Schauspielkunst, sondern im besonderen Maße die Rolle selbst, die eine solch starke Faszination ausübt. Denn die nach der ebenfalls starken Jack Nicholson-Version von ´89 neu interpretierte Figur hat sich nichts als das totale Chaos zur Philosophie gemacht, überhaupt nichts zu verlieren, kein Motiv und keine Regeln. Weil der Joker quasi der einzige ist, der sich sowas leisten kann, ist er so unnahbar und besitzt eine solch bannende Ausstrahlung. Ein wunderbar markanter, sympathischer wie furchterregender Bösewicht.

Die fiktive, düstere Batman-Stadt Gotham hat inzwischen keinen wirklich eigenen Look mehr und wird ganz zu Chicago, wo die meiste Zeit gedreht wurde. Die straffe Handlung bringt nämlich schon genug Düsternis mit sich, sodass es kaum auffällt. Zudem unterstreicht die realistische Umgebung die Intensität des Erzählten. Ironisch: trotz Joker war ein Batman-Film noch nie so ernst. Nolan erzählt statt von Gut gegen Böse vielmehr vom Verlust des Glaubens an das Gute und erlaubt durch einen im Batman-Universum noch nie dagewesenen Realismus eine Übertragung des Films auf die politische Gegenwart Amerikas. Damit trifft „The Dark Knight“ ins Schwarze. Glücklicherweise verhindern einige gut platzierte Gags zwischendurch, dass die Geschichte sich an ihrem Pathos verschluckt.

Kamerachef Wally Pfister schmeichelt den Augen mit satten Bildern (nicht zuletzt da einige Sequenzen im riesigen IMAX-Format gedreht wurden – ein spektakuläres Novum im Spielfilm), lässt sich höchstens etwas arg häufig zu Kreisfahrten hinreißen. Wichtige Unterstützung liefert die charakteristische Musik von Hans Zimmer und James Newton Howard, die mit ganz subtilen Mitteln eine wunderbar heroische Stimmung schafft. Wenn sie in manchen der glänzend getimten Actionszenen untypischerweise ganz verstummt, wirken jene umso rauer und einschneidender. „The Dark Knight“ wankt manchmal unter seinem Gewicht und hat so seine Macken (etwa Batmans groteske Sonar-Augen gegen Ende), doch Nolan lässt schlichtweg keine Zeit, um sich lange an Unzulänglichkeiten aufzuhalten und hinterlässt nicht nur die teuerste und erfolgreichste, sondern auch die authentischste aller Batman-Verfilmungen bis dato.

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