The Descent 2 – Die Jagd geht weiter

DVD-Cover The Descent 2

7.5/10

Originaltitel: The Descent: Part 2
GB | 2009 | 90 Min. | FSK: ab 18
Horror, Thriller, Splatter, Direct-to-DVD
Regie: Jon Harris
Drehbuch: James Watkins, J. Blakeson, James McCarthy
Besetzung: Shauna Macdonald, Natalie Mendoza, Douglas Hodge, Krysten Cummings, Gavan O’Herlihy u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.05.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | DVD uncut
Bild © Cyber-Pirates

Worum geht’s?

Nur eine der sechs Sportlerinnen, die vor kurzem aufbrachen um eine Höhle zu erkunden, konnte dem Grauen, das dort untertage lauert, entkommen. Verwundet und ohne Erinnerung liegt sie im Krankenhaus. Der örtliche Sherriff zwingt sie, mit ihm, seiner Partnerin und einem dreiköpfigen Rettungsteam nochmal in die Höhle hinabzusteigen, um die Vermissten zu finden. Als das Gedächtnis der traumatisierten Frau zurück kehrt, befindet sie sich längst ein weiteres Mal mitten in der stockdunklen Hölle.

Wie ist der Film?

Unglaublich, wie kann die Protagonistin nach diesem unfassbaren Massaker, das sie nur wie durch ein Wunder überlebte, bloß noch ein zweites Mal an den Ort des Geschehens hinabsteigen? Man möchte meinen, für eine profitable Fortsetzung wird hier auch die Logik übergangen, doch „The Descent 2“ ist durchdachter als man denkt. Eine nachvollziehbare Amnesie rechtfertigt den zweiten Aufritt der aus dem ersten Teil bekannten Darstellerin. Ohne eine blanke Kopie zu sein, wird die zweite Runde eingeläutet. Es hat sich in der Vergangenheit als berechtigt erwiesen, Horror-Fortsetzungen von vornherein nicht zu trauen, aber Ausnahmen sind nicht ausgeschlossen. Die einzigartige, nervenzerrende Atmosphäre des ersten Teils kann natürlich nicht nochmal wiederholt werden, doch unterm Strich ist „The Descent 2“ eine beachtlich gute Fortsetzung.

Neil Marshall, Regisseur und Autor des ersten Teils, hat den Regiestuhl an Jon Harris abgegeben, der beim ersten Teil für den Schnitt zuständig war. Kein gutes Omen, wenn man z.B. auf die Saw-Reihe blickt. Aber keine Sorge: Harris war auch bei Teil 1 regelmäßig am Set und Marshall ist diesmal immerhin noch als ausführender Produzent tätig. Harris beweist, dass er weiß, worauf es ankommt und gestaltet „The Descent 2“ sogar noch eine Spur rasanter als Teil 1, jedoch wohl wissend, dass aus dem blanken Horror kein hohles Actionspektakel werden darf.

Zwischen dem übertriebenen, für Fortsetzungen typischen „einen draufsetzen“ und dem uninspirierten Wiederaufrollen des ersten Teils findet „The Descent 2“ glücklicherweise die goldene Mitte. Trotz der zwangsläufig ausgedehnten Geschichte ist die Einleitung wieder recht fix und das Endprodukt sehr kurzweilig. Die Schock-Momente untertage sind inzwischen eine Spur vorhersehbarer, doch dafür punktet der Film mit ausgereifteren Splatter-Effekten und einer inhaltlichen Bitterkeit, welche die des ersten Teils glatt übertrifft. Vor allem in der Szene, in der jemand auf eine tragische Weise zu Tode kommt, die den Zuschauer vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt. Und trotzdem verkommt Teil 2 bei weitem nicht zum Folterporno, sondern ist wie schon sein Vorgänger in erster Linie ein atmosphärischer Angstmacher.

Interessanterweise bogen es die Drehbuchschreiber trotz der diesmal gemischtgeschlechtlichen Besetzung so hin, dass der klare Fokus wieder auf Frauen liegt. „The Descent“ steht eben auch für Powerfrauen (statt labile Scream-Queens). – In mehrerlei Hinsicht werden die markanten Motive des ersten Teils wieder aufgegriffen. Die Geschichte wird weitererzählt, ohne dabei zu gezwungen zu wirken, auch wenn eine Fortsetzung bestimmt nicht vonnöten gewesen wäre. Der große Erfolg von Teil 1, vor allem in England und den USA, hat es eben verlangt. Und der Nachfolger kann sich sehen lassen.

Ein paar unbefriedigende Szenen sind schon dabei, wie z.B. die seltsame Reaktion der Protagonistin, als ihre Erinnerung zurückkehrt, und vor allem das arg gemeine Ende. Mit Letzterem schneiden sich die Macher ins eigene Fleisch, da sich ein dritter Teil ankündigt, der aller Wahrscheinlichkeit nach nun wirklich zu viel des Guten wird. Aus einem kleinen Horror-Meisterwerk wurde ein starker Zweiteiler. Nur jetzt könnte auch eine zur Lächerlichkeit neigende Trilogie (oder gar noch Schlimmeres) daraus werden. „The Descent 2“ ist jedenfalls ein gelungener Horrortrip, ganz in Tradition seines Vorgängers, auch wenn er selbstverständlich nicht an ihn heranreicht. Eine Horror-Fortsetzung, die im Grunde genommen überflüssig ist (wie fast alle Horror-Fortsetzungen) und den gleichen Schauplatz wie Teil 1 nutzt, könnte sich kaum besser schlagen.

Wertungen (ø 4.75) [?]

7.5 – wieistderfilm.de
2.0 – Rajko Burchardt

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