The First Avenger: Civil War

Filmposter The First Avenger: Civil War

7/10

Originaltitel: Captain America: Civil War
USA | 2016 | 148 Min. | FSK: ab 12
Comicadaption, Science-Fiction, Action
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Besetzung: Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie u.a.
Kinostart: 28.04.16
DVD/Blu-Ray VÖ: 06.10.16

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Szenenbild © Marvel 2016

Worum geht’s?

Kollateralschäden bei einem Einsatz in Lagos sind der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Die Vereinten Nationen verlangen, dass Captain America und seine Teammitglieder nicht länger als Privatorganisation agieren. Die Avengers sollen sich vertraglich dazu verpflichten, vor der Regierung Rechenschaft abzulegen. Während Tony Stark sich überraschend für die politische Kontrolle ausspricht, ist der Captain strikt dagegen. Das Superheldenkollektiv spaltet sich.

Wie ist der Film?

Szenenbild The First Avenger: Civil War‚The First Avenger‘ – Deutschland hegt erneut übertriebene Paranoia beim Begriff ‚Captain America‘ – eröffnet in seinem dritten Solo-Film fulminant die Phase drei des Marvel Cinematic Universe. Fulminant vor allem, weil der Solo-Film eher einem „Avengers“-Nachklapp gleicht, in welchem der Captain lediglich als roter Faden dient. Mit dem Unterschied, dass die Supergruppe keinen neuen Über-Gegner, sondern sich selbst bekämpft. Der Captain-Fan bekommt also jede Menge Gratis-Helden und -Psychogramme für sein Geld. Das hat Vor- und Nachteile.

Im Superheldengenre weicht die Entstehungsgeschichte aktuell dem Ethik-Diskurs – die Hauptfiguren sind längst etabliert, was einen kritischen Rückblick auf ihr bisheriges Handeln fordert. Im unumgänglichen Vergleich mit „Batman v Superman: Dawn of Justice“ fällt der Zwiespalt in „Civil War“ nicht nur besser begründet, sondern auch wesentlich leichtfüßiger aus. Bei so vielen Charakteren, die teilweise sehr plötzlich auftauchen, ist Selbstironie der einzig logische Weg. Also geht der Film diesen Weg. Doch erhält die Selbstironie spätestens bei Spider-Mans erzwungenem Gastauftritt einen schalen Beigeschmack. Denn diese hastige Vorab-Einführung und nunmehr dritte Kino-Neuauflage der Kultfigur ist vor allem das Ergebnis kurioser Rechtsstreits und chaotischer Firmenpolitiken.

Es mag übermütig wirken, doch macht das Stelldichein all der Comic-Ikonen letztendlich einfach Spaß, gespickt mit kleinen Überraschungen und kulminierend in einem bunten Showdown am Leipziger Flughafen. Davon lebt „Civil War“. Regie und Drehbuch setzen wie schon im Vorgänger „The Return of the First Avenger“ auf einen geerdeten Grundton. Etwa wenn eine Prügelei in einem einfachen Treppenhaus statt vor malerischem Panorama passiert, erweist sich Understatement mit archaischer Action als das sympathische Markenzeichen des Films. Ob vieler Figuren mit übersinnlichen Fähigkeiten haben die Macher natürlich trotzdem gewisse Fantasy-Komponenten zu berücksichtigen. Die Mischung gelingt, bis auf ein paar betont ruhige Momente, die das Timing im Kontext etwas eigenartig wirken lassen.

„The First Avenger: Civil War“ nimmt eine dezent erfrischende Sonderstellung im ‚Avengers‘-Kosmos ein. Das Böse ist etwas Abstrakteres als ein Superschurke; es steckt in den Guten – abgesehen vom semirelevanten Alibi-Antagonisten Helmut Zeno, gelungen verkörpert von Daniel Brühl. Was dem ‚internen‘ Kampf fehlt, ist zwangsläufig die volle Inbrunst im Angesicht einer Übermacht, denn gegen einen Freund kämpfen heißt auch halbherzig kämpfen. Der bis dato längste Film des Marvel Cinematic Universe nutzt seine Zeit clever, um verschiedenste Motive verschiedenster Charaktere hinreichend herauszuarbeiten. Es fällt schwer, sich für eines der beiden Lager zu entscheiden, und darin liegt die Kunst. Der Grundstein für ein neues Aufrappeln ist gelegt.

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Avengers: Age of Ultron
Captain America – The First Avenger
The Return of the First Avenger
Batman v Superman: Dawn of Justice

2 Kommentare

  1. Super Film mit schön viel handgemachter Action. Der beste Film der Avengers Reihe, definitiv. Witzig, komplex und auch konsequent.
    Selbst Spiderman fand ich gut eingeführt. Am Timing meckerst du ja immer, aber bei der Länge und den komplexen Figuren, ist genau das die wahre Stärke des Films und so sehr modern.
    Der Film ist exakt das, was Batman vs Superman nicht ist und deswegen großartig.

  2. Ich fand den Film nicht großartig. Er ist den Vorgängerfilmen und anderen Superheldenfilmen in vielen Punkten zu ähnlich. Allerdings ist er besser als Batman gegen Superman. Was Batman gegen Superman unter anderem fehlt ist ein „Alles-oder-Nichts“ Antagonist für Superman. Denn Batman taktiert aufgrund seines komplexeren Hintergrunds, und Lex Luthor spielt. Nicht so wie z.B. Zod oder Faora, für die es um Alles geht. (Wie so einige will ich Faora wiedersehen, verkörpert von Antje Traue!) Natürlich ist Civil War interessanter weil es sich daran wagt, den Konflikt zwischen Superhelden und gesellschaftlichen Normen sehr viel weiter zu tragen und auszuspielen als das bisher in Superheldenfilmen der Fall war. Das ist auch viel wirklichkeitsnäher als der erste Avengers Film mit diesem Mumpitz von außerirdischen Quasigöttern, die die Erde bedrohen.
    Zum Teil wird der Konflikt gut angespielt. Verwirrend ist aber die wachsende Zahl von Superhelden, von denen einige schwach motiviert sind und auch schwach gespielt, beispielsweise die Scarlet Witch und der Black Panther. Ein guter Film für einen Superhelden-Actionfilm, aber nicht großartig. Für eine Fortsetzung, die ja wohl geplant ist, steht zu befürchten, dass sich einiges wiederholt.

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