The Human Centipede 2 (Full Sequence)

Filmposter The Human Centipede 2

7/10

Originaltitel: The Human Centipede (Full Sequence)
NL, GB | 2011 | 87 Min. | FSK: ?
Horror, Splatter
Regie: Tom Six
Drehbuch: Tom Six
Besetzung: Laurence R Harvey, Ashlynn Yennie u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: ?

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Schnittberichte

Worum geht’s?

Der dicke, kleine, zurückgebliebene Parkhauswächter Martin lebt allein mit seiner depressiven Mutter, die nur Hass für ihn übrig hat. Freude empfindet Martin nur beim Füttern seines Haustiers – ein Tausendfüßler – und an seinem Arbeitsplatz. Dort entführt er Menschen, um sie zu einem menschlichen Tausendfüßler zu verbinden. Die Idee hat er aus seinem Lieblingsfilm, der ihn sehr erregt: „The Human Centipede“.

Wie ist der Film?

Eins vorweg: Dieser Film ist derartig widerlich und grausam, dass in den meisten Fassungen verständlicherweise ein paar Stellen herausgeschnitten wurden, jedoch macht es wenig Sinn, sich eine geschnittene Version anzusehen, denn der Film ist fast voll und ganz auf seine bizarren Gewaltszenen ausgelegt. Wer „The Human Centipede 2“ nur zensiert gesehen hat, muss sich auch nicht wundern, dass der Film dann nicht funktioniert und stumpf wirkt. Bislang gibt es zwei Möglichkeiten, den Film ungeschnitten zu erwerben: auf DVD/BD in den USA (und nur dort) sowie als Video-on-demand von der britischen Website bountyfilms.com. Andere Kaufversionen sollten nicht in Frage kommen.

Schnell drängen sich moralische Fragen auf. Ist es pervers, einen Film wie „The Human Centipede 2“ zur Unterhaltung heranzuziehen und gar gut zu finden? Nein, auch wenn es gerne behauptet wird, da viele Zuschauerinnen und Zuschauer sich ob der extremen Menschenverachtung dieses Machwerks einer sachlichen Betrachtung verweigern. Es ist ein Horrorfilm, der mit geschickter Inszenierung so schockiert und auf den Magen schlägt, wie man es nur selten erlebt, und damit ein interessanter Genrebeitrag. Teil 1 lebte in erster Linie von seiner verrückten Grundidee und ließ viel in den Köpfen des Publikums passieren. Erst „The Human Centipede 2 (Full Sequence)“ visualisiert diese Idee – als schelmische Metaebene – bis an den Rand der Erträglichkeit. Eben 100% medizinisch unkorrekt.

Allein schon wegen der Kult gewordenen Darbietung von Dieter Laser im ersten Teil scheint „The Human Centipede 2“ vergleichsweise wenig bieten zu können. Doch nach dem einer gängigen Horror-Dramaturgie folgenden Vorspiel findet Teil 2, ebenfalls von dem holländischen Regisseur und Autor Tom Six inszeniert, für eine Fortsetzung einen richtig originellen Ansatz, den man nicht erwartet hat. Teil 1 ist hier „nur ein Film“ und Teil 2 „die Wirklichkeit“. Nach dem in seiner sympathisch-diabolischen Präsenz nicht zu übertreffenden Dr. Heiter (Dieter Laser) geht der neue Protagonist klugerweise in eine andere Richtung. Der Neue – Martin – ist zwar „nur“ abstoßend, mit einer Spur von Mitleidserregung, dies aber derart formvollendet, dass man den bislang unbekannten Hauptdarsteller Laurence R. Harvey als (noch eine) sensationelle Entdeckung bezeichnen darf.

Ja, „The Human Centipede 2“ schafft es wahrlich, noch einen draufzusetzen, nicht nur durch Überbietung der Markenzeichen des ersten Teils, sondern auch durch das Beschreiten neuer Wege. Die düstere Schwarz-Weiß-Ästhetik mit permanent wabernder Tonspur und der Entzug von menschlicher Wärme mit all den höchst unangenehmen Charakteren sorgen für eine beeindruckend konsequente Beklemmung von Anfang bis Ende. Erst durch diese sorgfältig erzeugte Stimmung und den gut durchdachten Schnitt entfalten die authentischen Makeup-Effekte ihre üble, üble Wirkung. Extrem sein ist eine Sache; das Schockieren ist hier die Kunst. Wenn dann auch noch sekundenweise so etwas wie Humor aufblitzt (natürlich nur in schwärzester, oder sollte man sagen: brauner?) Form, wird klar, dass Tom Six genau weiß, was er tut, auch wenn alles zuweilen nach einer einzigen sadistischen Entgleisung aussieht.

Das Treiben des Protagonisten – und dass es nicht auffliegt – ist unglaubwürdig. Es gibt zudem nicht einmal einen wirklichen Spannungsbogen. Doch die hundsgemeine Atmosphäre von „The Human Centipede 2“ ist so verdichtet, dass man das vergessen kann. In der ersten Hälfte noch mit Anlehnung an Norman Bates („Psycho II“, „Psycho III“, „Psycho IV“) mündet der Film schließlich in puren Wahnsinn und pure Grausamkeit. Das ist der krankste Scheiß seit „A Serbian Film“ – auch ohne Metapher, und erschließt sich nur wirklich Horror- und Splatter-erfahrenen oder echten Perversen – was oft zwei ganz verschiedene Gruppen sind. Allen anderen sei dieser Film dringendst abgeraten. Doch so oder so bleibt er eine überraschend eigenständige, gerissene und (faszinierend) rücksichtslose Fortsetzung. Man darf gespannt sein, was Tom Six sich für Teil 3 überlegt hat.

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