The Human Centipede (First Sequence)

Filmposter The Human Centipede

7/10

Originaltitel: The Human Centipede (First Sequence)
NL | 2009 | 92 Min. | FSK: ?
Horror, Thriller
Regie: Tom Six
Drehbuch: Tom Six
Besetzung: Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: ?

Links zum Film:
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Bilder © fantasyfilmfest.com

Worum geht’s?

Auf einer Reise durch Europa landen zwei hübsche Amerikanerinnen in Deutschland. Dort wollen die beiden eines Nachts Tanzen gehen, haben jedoch auf dem Weg zum Club mitten im Wald eine Autopanne – und kein Handynetz. Sie suchen Zuflucht beim einzigen Haus in der Umgebung. Es gehört dem pensionierten Chirurgen Dr. Heiter, dem die zwei Touristinnen für sein abartiges Experiment gerade recht kommen.

Wie ist der Film?

Szenenbild The Human Centipede (First Sequence)Es ist der wohl am meisten diskutierte Film des Fantasy Filmfest 2010, wo „The Human Centipede“ einem breiten Publikum bekannt wurde. So pervers und ekelhaft sind sonst nur B-Movies, die sich in dunklen DVD-Regalen verstecken. Doch wie so oft, z.B. bei dem seinerzeit nicht minder kontroversen „Hostel“, muss man bedenken: Das Grauen spielt sich weitestgehend nicht auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm, sondern in den Köpfen der Zuschauerschaft ab.

Einen besonderen Reiz erhält dieser auf das Wesentliche reduzierte, gekonnt mit Klischees, Retro-, Trash- und Exploitation-Elementen spielende Film allein schon durch die vielen Nationalitäten, die er vereint. Regisseur, Autor, Produzent und Cutter Tom Six ist Holländer, lässt seinen Film in Deutschland spielen und darin zwei Amerikanerinnen sowie einen Japaner auftreten. Was nicht Englisch ist, wird untertitelt. Speziell für Deutsche ist „The Human Centipede“ interessant. Schließlich ist es ein „Heimspiel“, ohne dass es auch nur entfernt an etwas erinnert, wo Til Schweiger oder Moritz Bleibtreu mitspielen. Außerdem ist mindestens ein Drittel der Dialoge tatsächlich auf Deutsch.

Das gewichtigste Argument ist aber Hauptdarsteller Dieter Laser, der den Film mit seiner diabolischen Aura zu tragen vermag. Eine perfekte Besetzung für diese extreme, düstere Variante des „verrückten Professors“. So widerlich charmant geisteskrank sind nicht einmal die folternden Millionäre in den „Hostel“-Filmen. Allein schon weil sich eine der weiblichen Hauptfiguren beim Fluchtversuch wirklich selten dämlich verhält, wünscht man dem Bösewicht sogar, dass ihm sein krankes Vorhaben gelingt. Schließlich gab es das so vorher noch nicht und ist damit auch eine interessante Idee.

Dass man sich als Zuschauer aufgrund der dummen Guten und dem klugen Bösen schnell mal auf die falsche Seite schlägt, wird dem Film glücklicherweise nicht zum Verhängnis. Denn Tom Six versteht es, sein Publikum letzten Endes in genau die gewünschte Richtung zu lenken. Die Handlung ist so konstruiert, dass in so manchem Moment die Luft raus zu gehen droht, zumal ab der Hälfte schon das Grundlegendste passiert ist. Doch dann schafft es der Film immer wieder geschickt, spannende Szenarien zu entwerfen, und das stets mit erstaunlich simplen Mitteln. Nahezu ohne Musik und teure Effekte, dafür mit ausgefeilter Kameraarbeit und einem glänzenden Gespür für Empathie erzeugt „The Human Centipede“ einen wirkungsvollen Horror.

Natürlich muss man für den Genuss von „The Human Centipede“ eher zu den Hartgesottenen gehören. Doch lässt der Hype falsche Schlüsse zu. Es wird durchaus blutig, nur ein bahnbrechend ekliges Gore-Fest bleibt aus. Es sind die neuartigen Ideen und wie eingangs erwähnt das eigene Kopfkino, was „The Human Centipede“ zu so einem kranken Film macht. Für Viele ist es ein einziges Unding, für Andere ein Genre-Highlight. Fakt ist, dass hier aus einem offensichtlich winzigen Budget beachtlich viel herausgeholt wird. „The Human Centipede“ nimmt einen wirklich mit, ist so richtig bitter und auch beachtlich spannend, wenn man ihn nur zu schätzen weiß. Gut gemacht, Herr Six. Mal sehen, was Teil 2, „Full Sequence“, mit sich bringt.

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8 Kommentare

  1. Ich muss meinen Dank zurücknehmen.

    Vorweg: Wie kannst du denn so einen Film auf einer Stufe bewerten wie Clockwort Orange? Wie kannst du den überhaupt über 5 bewerten???

    Der Film ist mit Abstand das ekelerregendste vergeudete Stück Filmrolle, das ich je gesehen hab.
    Der Film ist widerlich, abstoßend und in keinster Weise zu empfehlen! Dieser Tom Six sollte schwer in Betracht ziehen, sich einweisen zu lassen.

    Mehr sag ich hier nicht, weil das zu spoilerig wär.

    • Das ging ja schnell. 🙂
      Somit gehörst du also zum großen „Unding“-Lager. Ich fand den Film gut, weil er mich in einem überraschenden Maße mitfühlen und -fiebern lassen hat, und das lange nicht nur wegen ekeligen Szenen.
      Mit „Uhrwerk Orange“ ist er natürlich nicht zu vergleichen. Dass die beiden dennoch die gleiche Wertung haben, liegt daran, dass der eine vom großen Kult und Hype etwas gedämpft und der andere als eine Art Geheimtipp etwas gepusht wird. 😉

  2. Okay, ich muss natürlich nachträglich gestehen, dass ich tatsächlich mitgefiebert hab und trotzdem mir so viel so dämlich vorkam, dass ich den Film schon nicht mögen konnte!
    Mit ein wenig Abstand inzwischen (nicht direkt nach dem Film) würde ich ihn vielleicht sogar so ekligen Leuten wie mir und dir ( 😉 ) weiterempfehlen… Ist schon nicht gaaanz so schlimm, aber im ersten Moment fand ich ihn echt zum Kotzen und die Charaktere zum Teil zu dämlich!

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