The Ides of March – Tage des Verrats

Filmposter Ides of March

6.5/10

Originaltitel: The Ides of March
USA | 2011 | 101 Min. | FSK: ab 12
Drama, Theateradaption
Regie: George Clooney
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov
Besetzung: Ryan Gosling, George Clooney, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Marisa Tomei, Jeffrey Wright u.a.
Kinostart: 22.12.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 24.05.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © TOBIS Film

Worum geht’s?

Steve Myers ist ein junger Polit-Berater und arbeitet aus tiefer Überzeugung für den demokratischen Gouverneur Mike Morris, der gute Chancen auf den Präsidentenposten hat. Myers‘ Talent zieht auch die republikanische Gegenseite an. Deren Wahlkampagnenleiter Tom Duffy versucht Myers abzuwerben. Als Myers durch die Affäre mit einer Mitarbeiterin ein pikantes Geheimnis erfährt, gerät er in einen Strudel aus Intrigen und Korruption, der seine Ideale einfordert.

Wie ist der Film?

Politik ist ein Arschloch, zeigt uns diesmal George Clooney in seiner nunmehr vierten Regiearbeit, die als Eröffnungsfilm der 68. Filmfestspiele von Venedig reichlich Lorbeeren einheimste. Im Grunde ist die Theaterstückadaption einer dieser stilvollen, geschwätzigen, an wahre Begebenheiten aus Justiz und/oder Politik angelehnten Filme, die nach einigen Oscars schielen, aber fast nie wirklich abräumen („Die Queen“, „Michael Clayton“, „Frost/Nixon“, „The Social Network“) und sich für spannender verkaufen, als sie für ein breites Publikum wirklich sind. Nichtsdestotrotz darf man dabei geschliffenes Handwerk und Schauspiel auf hohem Niveau bewundern.

Szenenbild The Ides of March„The Ides of March“ – ein aus dem Lateinischen stammender Ausdruck für die Märzmitte, eine wichtige Wahlkampfperiode und Zeitpunkt der Ermordung Julius Cäsars – blickt hinter die glänzende Fassade der Präsidentschaftskandidatur, bei der für alle Beteiligten schon ein kleiner Fehler das Aus bedeuten kann und erzählt vor allem von Werten wie Idealismus und Moral, die von einem Machtapparat gnadenlos zerrieben werden, bis man sich am Ende fragen muss, wo man eigentlich steht und welchen Preis man für den Sieg zu zahlen bereit ist. Das alles ganz ohne großen Knall, dafür voller scharfzüngiger Dialoge und ohne deutliche Durchhänger. Das Projekt steht und fällt natürlich mit der Besetzung. Und da gönnte man sich das Beste vom Besten.

Für Schauspielgenie Ryan Gosling ist es nach „Blue Valentine“, „Crazy, Stupid, Love.“ und „Drive“ bereits der sage und schreibe vierte Film im Jahr 2011, mit dem er durch eine Hauptrolle auf sich aufmerksam machte, wobei „Drive“ in Deutschland erst 2012 anläuft, allerdings, wie die anderen auch, schon mit überaus wohlwollender Kritik gesegnet wurde. In „The Ides of March“ gibt er eine subtilere Variante seines breiten Spektrums zum Besten. An seiner Seite spielt Regisseur, Autor und Co-Produzent George Clooney („Up in the Air“) wieder mal eine perfekte Clooney-Rolle: der smarte, charismatische Mistkerl – für ihn nichts leichter als das.

Als Kontrahenten geben sich Philip Seymour Hoffman („Glaubensfrage“, „Punch Drunk Love“) und Paul Giamatti („Shoot ‚Em Up“, „Hangover 2“), erstmals gemeinsam vor der Kamera die Ehre. Wenn die beiden in unmittelbar aufeinanderfolgenden Einstellungen eingeführt werden, macht das Cineasten-Herz einen kleinen Hüpfer; ein gewitzter Kniff. Als abrundende Schlüsselfigur dient Oscar-Liebling Marisa Tomei („Crazy, Stupid, Love.“, „Cyrus“) in der Rolle der gewieften TIMES-Reporterin. Heimlicher Star des Films ist allerdings die junge Evan Rachel Wood („The Wrestler“, „High School Confidential“) als fatale Praktikantin, in deren Gesicht sich am meisten abspielt. „The Ides of March“ lebt schlichtweg von einem Top-Ensemble, dessen Mitglieder sich immer wieder gegenseitig die Bälle zuspielen.

Clooney gelingen ein paar nachhaltige Bilder, etwa die einsame Silhouette der Hauptfigur vor der riesigen USA-Flagge oder die Schlusseinstellung; ansonsten halten sich die saubere Inszenierung sowie die Musik von Meister Alexandre Desplat („The Tree of Life“, „Der Gott des Gemetzels“) vornehm zurück. Die Geschichte vom Schachspiel mit unrechten Mitteln ergreift nie wirklich Partei, auch wenn es anfangs anders aussieht, und ist letzten Endes auch keine wirklich politische, da ihr Kern sich auch in viele andere Metiers pflanzen ließe. So aber berichtet „The Ides of March“ nicht nur von verkauften Seelen, sondern stellt auch eine leicht zynische Paraphrase auf Hoffnungsträger wie Barack Obama und die in dunklen Hinterzimmern verborgenen Details dar. Das ist im Grund nichts Neues, aber ganz hübsch anzusehen.

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3 Kommentare

  1. „Im Grunde ist die Theaterstückadaption einer dieser stilvollen, geschwätzigen, an wahre Begebenheiten aus Justiz und/oder Politik angelehnten Filme, die nach einigen Oscars schielen, aber fast nie wirklich abräumen („Die Queen“, „Michael Clayton“, „Frost/Nixon“, „The Social Network“) und sich für spannender verkaufen, als sie für ein breites Publikum wirklich sind.“

    Ja, die Erfahrung habe ich gestern auch gemacht, als mein Kumpel „The Ides of March“ als den langweiligsten Film, den er je gesehen hat, bezeichnete. Ich widersprach, weil ich mich Deiner Kritik anschließen kann.

  2. Schöne Kritik auch wenn ich dem Anfang nicht zustimme. Ein Film verkauft sich ja nicht als irgend etwas, er ist ein Film. Und ein guter. Gosling spielt Clooney an die Wand. Es wird toll mit Licht und Schatten gespielt. Sicher sind die Clooney-Filme keine Hits, aber eben anspruchsvolle Unterhaltung mit einer persönlichen Note des Regisseurs. Da muss ich gleich nochmal Good Night and Good Luck anschauen…
    Danke für deine Kritiken. Mach weiter damit! Einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Falls du für deinen Blog noch Unterstützung brauchst…

  3. Ich fand den Film extrem enttäuschend. Als er wirklich spannend wurde und unser Protagonist zum ersten Mal wirklich Gewissensbisse bekam, endete der Film kurze Zeit später. Sehr schade.

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