The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Filmposter The Imitation Game

8/10

Originaltitel: The Imitation Game
USA, GB | 2014 | 114 Min. | FSK: ab 12
Drama, Thriller, Biopic
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Charles Dance, Mark Strong u.a.
Kinostart: 22.01.15
DVD/Blu-Ray VÖ: 26.06.15

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © SquareOne Entertainment

Worum geht’s?

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ergattert sich der junge Mathematiker Alan Turing eine Stelle bei der Government Code and Cypher School in Bletchley Park. Die Deutschen verwenden für ihre Funksprüche eine Kodierung, die als unmöglich zu knacken gilt. Doch sie muss geknackt werden, um den Krieg zu gewinnen. Anders als seine Teammitglieder glaubt Turing daran, die Verschlüsselungsmaschine der Nazis mit einer eigenen, neuen Maschine besiegen zu können.

Wie ist der Film?

Szenenbild The Imitation GameTriumph der No-Names: Mit seinem englischsprachigen Debut löst der norwegische Regisseur Morten Tyldum direkt sein Ticket zur den hohen Rängen Hollywoods. Autor Graham Moore kommt dank seines ersten Spielfilmdrehbuchs gleich mit. Basierend auf dem Roman „Alan Turing – Enigma“ von Andrew Hodges schufen die beiden Kreativköpfe einen einerseits typischen und doch ungemein vielseitigen Historienfilm über einen vertuschten Kriegshelden.

„The Imitation Game“ setzt sich aus vielen Aspekten zusammen, bleibt aber stets fokussiert. Romanzen oder Schlachtszenen hat dieser indirekte Kriegsfilm gar nicht nötig; es geht nun mal um den britischen Weg aus dem Hitler-Schlamassel. Offiziell mag hier die filmische Biografie Alan Turings vorliegen, doch verleitet dieser Denkansatz zu enttäuschten Erwartungen. Vielmehr balanciert der Film zwischen persönlichem Portrait und Weltgeschichte; die Zeichnung des Helden passiert wie nebenbei. Am Ende ist man aus diesem rätselhaften Protagonisten immer noch nicht ganz schlau geworden, doch es ist gerade die Stärke des Films, kleine Gesten und Andeutungen für sich sprechen zu lassen, nicht unnötig auszuformulieren.

Benedict Cumberbatch („12 Years a Slave“) spielt seine dankbare Rolle grandios. Die Figur liegt nah an Sherlock Holmes, als der er weltberühmt wurde, fällt jedoch noch komplexer aus. Charmebolzen Matthew Goode („Stoker“) verkörpert glänzend den geerdeten Gegenpart zum Sonderling, während Keira Knightley („Abbitte“) als dramaturgisch offenbar notwendige Frauenfigur nur zierendes Beiwerk bleibt. Eine konservative Art, das Figurennetz zu spinnen. Doch selbst wenn „The Imitation Game“ Klischees bedient, driftet es nie ins Peinliche. Am Ende regiert kein bittersüßes Pathos, und genauso wenig wird die Tragik der Geschichte als Tränendrüsendrücker missbraucht.

Trotz oder gerade wegen verschiedener, ineinander verwobener Zeitebenen ist „The Imitation Game“ angenehm flott erzählt. Blitzsaubere Kameraarbeit und Alexandre Desplats feinfühlige Musik versüßen das Erlebnis. Kleine Wendungen und eine überaus spannende Hauptfigur halten stets bei Laune. Letzten Endes ist „The Imitation Game“ ein typischer Film für die Oscar-Saison – das allerdings im positiven Sinne, nie zu theatralisch, nie zu rührselig, sondern als stilvolles, konzentriertes Ausstattungsdrama wie aus dem Lehrbuch. Kleine Korrekturen historischer Fakten gilt es, zu verschmerzen, für ein packendes, rundes Gesamtbild.

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2 Kommentare

  1. Man kann „The Imitation Game“ für einiges loben; dass Fokussiertheit dazu gehört, würde ich angesichts der ins Vage wallenden Handlungsstränge nicht unbedingt behaupten. Das „aus dem Lehrbuch“ bleibt letztendlich als wesentliches Fazit hängen, und das fühlt sich nun nicht gerade durchgehend positiv an.

  2. Mir hat der Film unglaublich gut gefallen, auch wenn es „nur“ die schlechte deutsche Synchro war. (Was freu‘ ich mich schon auf den DVD-Start im September!) Auch wenn der Film sehr klassisch erzählt war, fand ich die drei verwobenen Zeitebenen gut untergebracht. Natürlich sind sofort wieder die Historiker auf die Barrikaden und haben geschimpft, dass der Film nicht historisch korrekt ist. Aber das ist doch auch nicht der Anspruch. Es ging darum Alan Turing bekannt zu machen und (s)eine tolle Geschichte zu erzählen. Beides ist gelungen.

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