The Road

Filmposter The Road

5/10

Originaltitel: The Road
USA | 2009 | 112 Min. | FSK: ab 16
Drama, Romanadaption
Regie: John Hillcoat
Drehbuch: Joe Penhall
Besetzung: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce u.a.
Kinostart: 07.10.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.03.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter | film zeit

Worum geht’s?

Ein Vater und sein Sohn schlagen sich nach einer nicht näher erklärten Apokalypse durch ihr von Asche bedecktes Land, wo fast keine Tiere überlebt haben und eine ständige Eiseskälte herrscht. Das einzige Ziel der beiden ist, Nahrung zu finden und im Süden auf weitere Menschen zu stoßen, die wie sie zu den „Guten“ gehören.

Wie ist der Film?

„The Road“ stellt die Endzeit gnadenlos realistisch dar, womit sich die Geschichte von den allermeisten Postapokalypse-Filmen abhebt. Wo in anderen Filmen irgendwann Zombies oder Vampire auftauchen, gibt es in „The Road“ nur die übrig gebliebenen Menschen in einer eigentlich schon toten Welt, wo das Weiterleben nur noch an den natürlichen Überlebenstrieb gebunden ist, wenn überhaupt. Es ist keine Überraschung, dass man sich an dem u.a. mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buch von 2006 so schnell wie möglich die Filmrechte sicherte. Doch betrachtet man die Geschichte auf der Leinwand und lässt sich nicht völlig von der im Subtext gestellten Frage „Woran hält die Menschheit eigentlich fest?“ fesseln, ist das Ganze vor allem eines: langweilig.

Die durch und durch trostlose, deprimierende Geschichte hält sich minutiös an die Vorlage, was eigentlich löblich, in diesem Fall für den Film aber ein Verhängnis ist, denn was als Roman erschütternd gut funktioniert, wenn man den Film vor dem inneren Auge ablaufen lässt, ist in Form eines richtigen Kinofilms ermüdend. Die Bilder sind schon fertig, man muss sie sich nicht mehr ausmalen. Was bleibt, sind zwei Menschen, die durch blasse Landschaften stolpern und jedes Leben, dem sie begegnen, als Bedrohung wahrnehmen müssen, ohne dass es zu irgendeinem Zeitpunkt echte Hoffnung gibt. Die quälende Sinnlosigkeit des Seins inmitten der untergegangenen Welt überträgt sich auch auf das Publikum und wenn man nicht in Stimmung für Philosophie ist, denkt man „Ach, lasst es doch einfach.“

Sicherlich sind die Bilder der verwahrlosten, leblosen Landschaften nach dem Jüngsten Gericht beeindruckend, vor allem weil auf CGI verzichtet wird und alles sehr real aussieht. Nur erschöpft sich das Konzept recht bald und man gewöhnt sich schlichtweg an die Zustände. Das Vater-Sohn-Verhältnis – von Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee gleichermaßen gut gespielt – ist berührend, gerade durch das, was die beiden sich inmitten der totalen Hoffnungslosigkeit gegenseitig geben, gibt aber auch nicht wirklich genug her, um die fast zwei Stunden tragen zu können. Die Dilemmas sind im Prinzip die gleichen wie in der Weltraumvision „Moon“, nur dass in „Moon“ verschiedene Dinge passieren.

Gut, als willkommene Abwechslung sind natürlich die Rückblenden, die von den Erinnerungen des Vaters ausgehen, zu nennen. So gibt es ein paar Eindrücke aus der bunteren Zeit vor dem Weltuntergang und man kann einige Szenen mit Charlize Theron genießen, das wohl einzige Schöne im Film. Doch da die Geschichte sich konsequent einer Erklärung der apokalyptischen Ereignisse verweigert, sind diese ganzen Andeutungen sogar eher unsympathisch, denn wer A sagt, soll auch B sagen. Weniger diskutabel ist immerhin die Musik von Nick Cave und Warren Ellis, die einen zum Setting passenden Ton zwischen Zurückhaltung und Emotionalität trifft.

No Country for Old Men“, der Oscar-Abräumer der Coen-Brüder, basiert wie „The Road“ ebenfalls auf einem Roman von Cormac McCarthy. Der Film „The Road“ zeigt deutlich, dass nicht alle seine Bücher gleichermaßen für Leinwandadaptionen geeignet sind. Das mit erheblicher Verspätung doch noch in ein paar deutschen Kinos laufende Drama hat seine Daseinsberechtigung als erschreckend realistischer Gegenentwurf zu all den albernen Postapokalypse-Fantasystreifen, bleibt aber einfach fad, bis hin zum kitschigen Pseudoschluss, obwohl die gelungene Optik, Schauspielerei (und Musik) kaum von der Hand zu weisen sind.

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6 Kommentare

  1. Wer diese Kritik geschrieben hat, sollte sich von den Hollywoodstreifen etwas distanzieren, sich den Film noch mal ansehen, gedanken drüber machen und eine passendere Kritik abgeben.

  2. Ich habe den Film nun endlich (naja, nicht wirklich) auch gesehen und bin etwas enttäuscht vom Ganzen…
    Die Vorlage stammt ja aus der selben Feder wie „No Country for Old Men“ und der war ja auch richtig gut, vor allem weil am Ende noch was passiert… Anders bei The Road.
    Es passiert eigentlicht nicht wirklich etwas und ich kann nicht verstehen wie so ein Film in der imdb 7,4 erreicht.
    Einfach langweilig und zäh.

    @Kevin: „von Hollywoodstreifen distanzieren“ ist natürlich ein großartiger Tipp für einen Filmkritiker…

  3. „von Hollywoodstreifen distanzieren“ ist vielleicht ein wenig unglücklich gewählt, aber es gibt außerhalb der hochstilisierten,kommerziellen Sehgewohnheiten auch noch Filme.

    Jedoch schreibt unser lieber Philipp ja quasi über ebendiese Streifen, die an gewisse Gepflogenheiten gebunden sind, weswegen ich die Kritik stimmig und passend finde.

    Abgesehen davon erinnert mich die Filmbeschreibung stark an Michael Hannekes Wolfszeit(2003) in der eine Familie auch in einer nicht näher erklärten postapokalyptischen Welt versucht, reisend über die Runden zu kommen.

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