The Tree of Life

Filmposter The Tree of Life

5.5/10

Originaltitel: The Tree of Life
USA | 2011 | 139 Min. | FSK: ab 12
Drama
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Besetzung: Brad Pitt, Jessica Chastain, Sean Penn u.a.
Kinostart: 16.06.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 10.11.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Concorde Home Entertainment

Worum geht’s?

Architekt Jack O’Brien erinnert sich an seine Kindheit in einer Vorstadtfamilie mit liebevoller Mutter, strengem Vater und zwei Brüdern. Das junge, unbeschwerte Leben wird komplizierter, als der kleine Jack immer mehr zwischen den Idealen seiner Elternteile hin- und hergerissen ist. Die Eltern müssen eines Tages vom Tod eines ihrer Söhne erfahren. Jack hat den Vorfall nie verarbeitet, wandelt als verlorene Seele umher und stellt sich existentialistische Fragen, auf der Suche nach Erkenntnis.

Wie ist der Film?

Jahrelange Vorbereitung, intensive Arbeit mit führenden Experten verschiedenster Filmproduktionsbereiche und zwei Hollywoodstars der Spitzenklasse hat Regisseur und Autor Terrence Malick („Badlands – Zerschossene Träume“, „Der schmale Grat“) sich herausgenommen, um ein Werk zu schaffen, das stets den Eindruck erweckt, es wolle der ultimative Film sein – aus Sicht der weißen Mittelklasse. Je nach Sichtweise ist es Malick gelungen, genauso wie er sich selbstverständlich völlig übernommen hat. Der öffentlichkeitsscheue Filmmacher, bei dem man damit rechnen muss, dass er mal eben zehn Jahre von der Bildfläche verschwindet, hat mit „The Tree of Life“ wieder ein nachdenkliches Drama von epischer Breite realisiert und spannt diesmal einen Bogen vom Ursprung allen Lebens bis in die Gegenwart.

Szenenbild The Tree of LifeZunächst hat „The Tree of Life“ in seiner beachtlichen Bildgewalt eine friedliche, fast hypnotische Sogwirkung. Spätestens wenn dann computeranimierte Dinosaurier auftauchen, muss man stirnrunzelnd überdenken, wie man Malicks übereifriges und in aller Ruhe durchgezogenes Konzept aufnehmen will. Zweifelsohne besticht „The Tree of Life“ durch wahrlich fantastische Naturaufnahmen, wunderbar sorgfältiges Szenenbild, komplexe Kameraarbeit samt interessanten Experimenten und mächtige, bekannte Musik der klassischen Sorte, glänzend adaptiert von Alexandre Desplat („The King’s Speech“). Mehr Erfahrung als Film. Doch was der Geheimtipp „Mr. Nobody“ aus den Kräften und Möglichkeiten der Liebe heraus baute, wirkt bei Malick mehr wie ein Gottkomplex. Eine richtige Handlung weicht vagen Anspielungen und Bild-Collagen sowie der Suche nach Erleuchtung in Off-Kommentaren, deren Pathos das Flüstern auch nicht zu schmälern vermag.

„The Tree of Life“ lässt Darwinismus auf Spiritualität treffen, zeigt Trauerarbeit in existentialistischen Gedankenspielen. Dabei überträgt Malick die Entstehung des Kosmos auf den Mikrokosmos Familie, aus der Sicht eines Sohnes, und bringt so auch noch eine Ode an die Kindheit unter. Das alles in Rückblenden, bis im träumerischen Finale die Grenzen von Zeit und Raum vollends aufgelöst werden. Brad Pitt („Inglourious Basterds“) überzeugt als strenger Vater neben der schönen Unbekannten Jessica Chastain und gut gecasteten Jungdarstellern, während ein überraschend verschwendeter Sean Penn („Milk“) ein paarmal betroffen durch die Gegend läuft.

Man kann Malicks selbstverliebten Größenwahn mit nervenaufreibend spontanen Dreharbeiten, die das ziemlich schwammige Konzept unterstreichen, durchaus absolut großartig finden und genüsslich in Interpretationen baden. „The Tree of Life“ bleibt dennoch ein Film, in dessen nur bedingt homogenen Einzelteilen leider nur gewollte und ungewollte Referenzen statt etwas Eigenes stecken. So ist etwa der Vergleich mit Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ unumgänglich, wogegen Malick natürlich den Kürzeren zieht. Irgendwo zwischen ästhetischer Meisterleistung und Kitsch, zwischen Erleuchtung und Langeweile lässt sich „The Tree of Life“ nicht so recht festlegen.

Ähnliche Filme

2001 – Odyssee im Weltraum
Mr. Nobody

5 Kommentare

  1. Krass wie der Film spaltet. Ich mochte die letzten zwei Malick-Filme ja sehr. Diesen hab ich nicht länger als 20 Minuten aus gehalten. Dieses die ganze Zeit in der Subjektive schwebende…

  2. Danke für diesen schönen Text. Ein Film der derart spaltet – man betrachte nur mal die Wertungen Deiner Fellow-Rezensenten – den MUSS ich einfach sehen!
    Was sich Malick da vornimmt, klingt grössenwahnsinnig, aber immerhin wagt da einer mal etwas anderes im Hollywoodkino! Schon das ist doch viel wert!
    Wahrscheinlich werde ich mich demnächst auch darüber hermachen.
    Frohe Festtage wünscht
    Hauptsache Stummfilm

  3. Ja, an „The Tree of Life“ scheiden sich die Geister. Ich jedenfalls gehöre zu denen, die es genossen haben, vom Film dazu angestoßen worden zu sein, mir ein paar philosophische Gedanken zu machen. Da muss man sich drauf einlassen wollen, sonst geht man in dem Bildersturm völlig verloren.

    Einen frohen zweiten Weihnachtstag und nen guten Rutsch!

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