The Wolf of Wall Street

Filmposter The Wolf of Wall Street

8.5/10

Originaltitel: The Wolf of Wall Street
USA | 2013 | ca. 180 Min. | FSK: ab 16
Komödie, Drama, Romanadaption, Biopic
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Terence Winter
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie u.a.
Kinostart: 16.01.14
DVD/Blu-Ray VÖ: 30.05.14

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Szenenbild © 2013 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Worum geht’s?

New York, Mitte der 80er: Der aus einfachen Verhältnissen stammende Jordan Belfort möchte als Börsenmakler an der Wall Street arbeiten. Als er im Zuge des Börsenkrachs von ´87 seinen Job verliert, macht der junge Mann sich mit einer cleveren, doch nicht ganz koscheren Geschäftsidee selbstständig. Durch seine großen Verkaufstalente und Führungsqualitäten wächst Belforts Firma rasend schnell, was ihm ein exzessives Luxusleben ermöglicht. Seine unermessliche Gier nach dem schnellen Geld ruft schließlich das FBI auf den Plan.

Wie ist der Film?

Nach dem niedlichen Experiment und unverblümten Kino-Liebesbrief „Hugo Cabret“ kehrt Meisterregisseur Martin Scorsese zu alter Stärke zurück. „The Wolf of Wall Street“ entspricht der Sorte von Film, die Kinofans beim Gedanken an Scorsese als erstes durch den Kopf schießt – ein Gangsterfilm eben. Allerdings stellt der Protagonist eine modernere Form des Gangsters dar, eine beachtlich aktuelle, obwohl die Geschichte in den 80er Jahren spielt. Die auf pervertierte Weise realitätsnahe Charakterstudie mit dem beachtlich humorvollen Ansatz macht „The Wolf of Wall Street“ in gewisser Hinsicht zum interessantesten aller Scorsese-Gangsterfilme.

Protzende Ganoven, leichte Mädchen, wuchtige Bilder und ausladender Soundtrack – Scorsese in seinem Element. Die entscheidende Zutat bei „The Wolf of Wall Street“ ist allerdings der derbe Witz, den Drehbuchautor Terence Winter („Boardwalk Empire“) aus der Vorlage – die Memoiren des realen Jordan Belfort – übernahm. Scorsese konfrontiert das Publikum kaum mit der genauen Vorgehensweise im illegalen Börsengeschäft, sondern lenkt die Aufmerksamkeit ganz auf den privaten Lebensstil von Hauptfigur Jordan. – Vielleicht gelingt damit sogar eine umso treffendere Kritik an den Urhebern der Wirtschaftskrisen, auf alle Fälle aber ein immenser Unterhaltungswert.

„The Wolf of Wall Street“ ist urkomisch und in seiner rotzfrechen Art einfach erfrischend. Ein Film voller Wahnsinn, der über die Laufzeit von drei Stunden ein beachtlich straffes Tempo hält und dramaturgisch keiner merklichen Durststrecke erliegt. Leonardo DiCaprio („Inception“, „Shutter Island“) ist der perfekte Hauptdarsteller. Seit gut zehn Jahren spielt er im Grunde immer wieder denselben strengen, emotionsgeladenen Typen, und dabei hat er sich spätestens hier selbst übertroffen. Der Elan, mit dem sich DiCaprio in seine Rolle hängt, ist umwerfend. Seine nunmehr fünfte Zusammenarbeit mit Scorsese gehört zweifellos zu seinen stärksten.

Auch in den Nebenrollen glänzt „The Wolf of Wall Street“ mit einer Traumbesetzung. Besonders Jonah Hill („Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“), Jean Dujardin („The Artist“) und Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“) machen Spaß; sie definieren den eigenen Humor der Geschichte mit. Die wunderschöne Margot Robbie („Alles eine Frage der Zeit“) erweist sich als heiße Neuentdeckung auf der Leinwand. Und es gibt noch zahlreiche weitere interessante Rollen. Die vollgepackte Handlung um Sex, Drogen und Geld schlägt immer wieder unberechenbare Haken, und genau das sollte an „The Wolf of Wall Street“ auch geschätzt werden, denn es geht eben mehr um Lifestyle-Satire als um differenzierte Biografie.

Auf technischer Ebene hat Scorsese ebenfalls hin und wieder einen Ausbrecher parat – etwa Superzeitlupen, oder der Blick direkt in die Kamera –, doch pflegt er mit solchen handwerklichen Spielereien einen sicheren Umgang, weil sie immer der Exzentrik der Geschichte dienen. Sie ist so schillernd inszeniert und hervorragend gespielt, dass wir stundenlang einer Hauptfigur, die ein Arschloch ist, überall hin folgen. Eigentlich ist „The Wolf of Wall Street“ nur eine weitere „GoodFellas“-Variation mit nüchternem Fazit. Andererseits hat Scorsese noch nie so viel Mut zum Exzess bewiesen, ohne sich dabei auf prollige Gewaltspitzen zu stützen. Das macht eine Menge Spaß und ist dank meisterhafter Regie ganz großes Kino.

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7 Kommentare

  1. der schlechteste Film aller Zeiten, an Geschmacklosigkeit und billigster „Sex sells Masche“ nicht zu überbieten, der erste Film der es schaffte, daß ich vorzeitig das Kino verlassen habe, nach einer guten Stunde hatte ich keine Hoffnung mehr, daß sich neben der asozialen, menschenverachtenden Ausdrucksweise und der Verherrlichung dekadenter Drogenexzesse auch mal eine Handlung einstellen würde, … der Film ist so unterirdisch, abartig schlecht, … und bestätigt mal wieder, wie Geld und Meinung gemacht wird, der Film mit seinen positiven vorab Kritiken durch diverse Medien ist dem Grunde nach schon Wall Street pur, … auch hier wurden nur Illusionen verkauft, die auf einen guten Kinoabend, … der in Realität, (wie eben die Börsengeschäfte selbst) reine Illusion bleibt. Und wie die zahlreichen Loser an der Börse auch, gesteht man sich den Fehlkauf (hier der Kinokarte) natürlich nicht ein, … der beste Leonardo aller Zeiten, … selten so gelacht, …
    Ferner, und das finde ich das allerschlimmste, wenn in der heutigen Zeit, in der die Wertvernichtung an den Börsen durch Leerverkäufe und diverse andere verbrieften Müllpakete von Illusionen ganze Volkswirtschaften zu vernichten bedroht, schon ein Film über die Machenschaften der Börsianer den Weg in die Kinos findet, … dann bitte mit Inhalt, … um Börsenmillionär zu werden scheint man laut Film nicht viel zu brauchen, Zitat; mindestens zwei Mal am Tag wixen und ordentlich Kokain dabei, … feddisch, … ja geht’s noch, … und für diese Aussage hat der Film 1 Stunde gebraucht, … gut, ich gebe zu, diese Aussage wurde in der ersten Stunde so oft wiederholt, daß es auch der letzte Vollpfosten geschnallt haben soll, mein Tipp, nicht kaufen (die Kinokarten), … JunkBond (wem das was sagt) Rating: CC bis keine Angabe

    • Icke, du kennst dich mit dem Thema Aktien und Börse offensichtlich ganz gut aus, im Gegensatz zu mir, und da kann ich es nachvollziehen, dass es Frust auslöst, wenn ein vermeintlicher Börsenfilm die Lust an der Auseinandersetzung mit dem Thema nicht befriedigt. Scorsese setzt hier auf Unterhaltung, wofür das Kinopublikum natürlich dankbar ist. Doch er wäre nicht Scorsese, wären die Exzesse keine Metaphern für Gier und Kapitalismus, denn von diesen universalen Themen handelt der Film ja eigentlich. Würde Scorsese die Exzesse schlichtweg verherrlichen, dann wären sie meiner Meinung nach nicht derart überhöht dargestellt, und dann würde die Handlung nicht den Verlauf nehmen, den sie letztlich nimmt.
      Wer so leichtfertig den Ausdruck „schlechtester Film aller Zeiten“ auspackt, ist ja eigentlich ohnehin nicht ernst zu nehmen, aber ich formuliere es mal so: Ein Film, der so versiert mit Kamera und Besetzung umgeht, der weiß, was Metaphern sind, einen Sinn für Humor hat und sogar zum Nachdenken anregt, der kann für mich nicht zum Schlechtesten gehören, was die Filmwelt in über 100 Jahren hervorbrachte.

  2. Ich kan nur meinen zwei vorhergehenden Kommentaren @Manuel und @Icke recht geben!
    Wie man aus einem sehr ernsten und trauigen Thema auch noch viel Kohle machen kann, zeigt uns wieder einmal Hollywood. Systematisch werden solcher Filme von seiten der Filmkritiker druchgewunken und leisten ebenso ihren Beitrag zum Hype.
    Der Film spielt zwar in den 80er Jahren, aber Herr Scorsese weiß, dass auch 2013 ein sehr guter Zeitpunkt für das Thema ist. Und am richtigen Ort ist er ja bereits.
    Im Gegensatz zum Filmthema, hat der Regisseur aber kein Risiko genommen: Die Schauspieler sind top und der Film wurde als Komödie verpackt, sicher ist sicher.

    • Oft ist die Komödie die adäquate Form, um mit einem im Kern ernsten und traurigen Thema viele Menschen zu erreichen. Und Scorsese hat es geschafft.

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