Twin Peaks – Der Film

Filmposter Twin Peaks - Der Film

6.5/10

Originaltitel: Twin Peaks: Fire Walk with Me
USA | 1992 | 129 Min. | FSK: ab 18
Mystery, Krimi, Thriller, Horror
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch, Robert Engels
Besetzung: Sheryl Lee, Moira Kelly, David Bowie, Chris Isaak, Harry Dean Stanton, Ray Wise, Kyle MacLachlan u.a.
Kinostart: 20.08.92
DVD/Blu-Ray VÖ: 19.04.07/02.11.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Bei der Untersuchung des Mordes an einer jungen Frau verschwindet ein FBI-Agent spurlos. Es übernimmt Special Agent Dale Cooper. Dieser ist sich sicher, dass der Mörder ein weiteres Mal zuschlagen wird. Ein Jahr später in der Kleinstadt Twin Peaks: Die hübsche High-School-Schülerin Laura Palmer verlebt ihre letzten Tage. Heimlich verkauft sie ihren Körper und kokst, während ihr Vater sich immer seltsamer verhält und unerklärliche, höhere Mächte sie in den Wahnsinn treiben.

Wie ist der Film?

Mit „Twin Peaks – Der Film“ liefert Regisseur David Lynch die Vorgeschichte zu der von ihm und Mark Frost entwickelten gleichnamigen Fernsehserie, die 1990 bis 1991 gedreht wurde. Die schwer zu kategorisierende Serie ist im Kern ein Krimi mit reichlich Mystery- sowie auch Comedy-, Seifenoper- und Horrorelementen. Obwohl „Twin Peaks“ aus diversen wirtschaftlichen Gründen auf nur zwei Staffeln zusammengestaucht werden musste und die Geschichte damit frühzeitig beendet war, genießt die Serie heute immensen Kultstatus. Und da Lynch das „Twin Peaks“-Universum ohnehin noch nicht aufgeben wollte, enthüllte er im Filmformat mit (fast) allen alten Bekannten aus der Serie weitere Details der mysteriösen Geschehnisse um Laura Palmer. Leider ist der Film zu eigenwillig, um den Erwartungen der Serien-Fans standzuhalten und wirkt auf sonstiges Publikum einfach nur überfordernd.

„Twin Peaks – Der Film“ geht in so ziemlich allen Belangen weiter als die Serie: Mehr Erotik, mehr Mystery, mehr ausformulierte Gewalt – sowohl physisch als auch psychisch. Zunächst wirkt Lynchs Inszenierung seltsam antriebslos. Dann entwirft er verspielt mit zahlreichen Bild- und Toneffekten höchst surreale Albtraumszenarien, die für die Hauptfigur zur Hölle auf Erden werden. Vor allem jene Sequenzen sichern dem Film einen gewissen Bann und einen nicht von der Hand zu weisenden künstlerischen Wert. Aber das Beklagenswerte daran, dass Lynch sich gegen Ende im ausgefeilten Mystery-Horror verliert, ist, dass er das, was vorher war, gar nicht wirklich verarbeitet.

Für Liebhaber der Serie gibt es ein freudiges Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern (nur Lauras Freundin Donna wurde durch einen Besetzungswechsel zum Mauerblümchen degradiert, an dem man(n) immerhin nach einiger Zeit noch Gefallen finden kann). Diese Freude wird jedoch getrübt, wenn man erkennt, dass der Film mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Das fängt schon bei der drastischen Zweiteilung der Handlung an. Die erste halbe Stunde mag als ein Prolog zur eigentlichen Laura-Palmer-Story akzeptabel sein, breitet aber so viele Details aus, dass man sich einfach veräppelt vorkommt, als danach praktisch überhaupt kein Bezug mehr darauf genommen wird. Beispielsweise hätte man gerne mehr von Kiefer Sutherland als Sidekick mit Fliege und Lesebrille gesehen, doch nachdem ausführlich der Appetit angeregt wurde, wird einfach abgewürgt.

Auch wenn es sich bei „Twin Peaks – Der Film“ um ein Prequel handelt, sollte man zuerst die Serie sehen, da es dort um die Ergründung von Geheimnissen geht, die der Film offen preisgibt. Kennt man die Serie nicht, sollte man es mit dem Film ganz bleiben lassen, denn der ist so schon bizarr und wirr genug. Die Kunst der totalen Verwirrung zeigte Lynch zehn Jahre später auf ähnliche Weise auch in „Mulholland Drive“ und wurde dafür gefeiert, doch in „Twin Peaks – Der Film“ geht es mehr um Erwartungen, die schließlich nicht erfüllt werden. Außerdem ist der dortige Umgang mit den Charakteren oberflächlicher, leider.

„Twin Peaks – Der Film“ bleibt weit hinter dem zurück, was er (zumindest für die unzähligen Fans der TV-Serie) hätte leisten können. Stattdessen konzentriert sich Lynch zu sehr auf ganz neue Aspekte der Hintergrundschichte – zu sehr, weil sie ärgerlicherweise ohnehin zu nichts führen. Was bei Lynch sonst als undurchsichtiges Mysterium für viele Interpretationsansätze funktioniert, wirkt hier eher einfach planlos. Was bleibt, sind einige interessante und teilweise einzigartig beklemmende Schlüsselszenen von imposanter Intensität sowie ein erwähnenswerter, sehr stimmungsvoller Soundtrack. Musik wie die über den Köpfen wabernde Rauchwolke in einem Jazzkeller kurz vorm Morgengrauen. Für Freunde der gruselig-surrealen Kunst („Eraserhead“ lässt grüßen) einen Blick wert. Als Vorgeschichte der kultigen TV-Serie weitgehend unbefriedigend.

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Blue Velvet
Eraserhead

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