We Need to Talk About Kevin

Filmposter We Nee to Talk about Kevin

7/10

Originaltitel: We Need to Talk About Kevin
USA, GB | 2011 | ca. 110 Min. | FSK: ab 16
Drama, Thriller
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Lynne Ramsay, Rory Stewart Kinnear
Besetzung: Tilda Swinton, Ezra Miller, John C. Reilly u.a.
Kinostart: 16.08.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 08.11.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Fugu Filmverleih

Worum geht’s?

Nachdem Eva ihr erstes Kind zur Welt gebracht hat, stellt sich recht schnell heraus, dass sie einfach keine echte Bindung zu dem Jungen aufbauen kann, so sehr sie es auch versucht. Kevin lässt kaum eine Gelegenheit aus, seiner Mutter das Leben schwer zu machen und verhält sich so manipulativ, dass nicht einmal Vater Franklin das Problem wirklich nachvollziehen kann. Als Kevin zum Teenager herangewachsen ist, mündet das gestörte Familienleben in eine Katastrophe.

Wie ist der Film?

Aus der 2003 erschienenen Romanvorlage, die aus Briefen der Mutter an ihren Mann besteht, hat Autorenfilmerin Lynne Ramsay eine etwas differenziertere Erzählform geschaffen. So konzentriert sich „We Need to Talk About Kevin“ zwar auf die Mutter, beleuchtet sämtliche Hauptfiguren aber auf eine Weise, die ständiges Reflektieren fordert. Der Film zeigt die unendlich vielen Faktoren auf, die bei einer zerrütteten Familie eine Rolle spielen können und stellt die Schuldfrage so, dass sie nicht eindeutig beantwortet werden kann. Dank der glänzenden Schauspielerei würde dieser Inhalt geradlinig durcherzählt ja beinahe genügen. Als Film wird „We Nee to Talk About Kevin“ allerdings erst durch den speziellen Inszenierungsstil interessant.

Szenenbild We Need to Talk About KevinDie tragische Geschichte ist als Puzzle präsentiert, dessen wichtigstes Teil erst gegen Ende eingesetzt wird, was zum einen die innere Zerrissenheit der Protagonistin wiederspiegelt, zum anderen für Suspense und Beklemmung sorgt. So kann das Publikum den Horror der scheiternden Kindeserziehung mitfühlen und bleibt am Ball. Ramsay wählt hierfür schlichte aber mit Bedacht komponierte, oft symbolträchtige Bilder, musikalisch entsprechend untermalt von Radiohead-Mitglied Johnny Greenwood und einem dezent ironischen Soundtrack. Die Farbe Rot zieht sich wie der gleichnamige Faden durch die Handlung, als Akte der Wut, als Warnung, als Zeichen der Liebe – eine unberechenbare Mischung, die die Mutter-Sohn-Beziehung, um die es geht, treffend beschreibt.

Man spürt sofort, dass Mutter und Sohn, selbst mit Bemühen, einfach nicht harmonieren. Das macht Tilda Swinton („Broken Flowers“, „Burn After Reading“, „Moonrise Kingdom“) toll. Auch die Jungdarsteller (Kevin auf verschiedenen Altersstufen), die um ein Haar am „Das Omen“-Klischee entlang schrammen, transportieren die unangenehmen Gefühle gekonnt. John C. Reilly („Cyrus“, „Der Gott des Gemetzels“) als liebevoller wie hilfloser Vater zeigt unterdessen wieder, wie beachtlich mühelos er von Klamauk auf authentische Ernsthaftigkeit umschalten kann.

„We Need to Talk About Kevin“ ist eine atmosphärisch dichte Indie-Perle, die einfach mal zum Nachdenken anregt. Statt einen bloßen Satansbraten zu zeigen, wie man es vielleicht vermutet, gibt es immer genau so viele Hoffnungsschimmer, dass alles letztendlich dubios bleibt und auf der Kippe steht. Das ergibt dann erst den Zündstoff. Die Meisten werden sich ob des eindringlichen Charakterportraits gar nicht daran stören, aber es soll erwähnt sein, dass bei „We Need to Talk About Kevin“ schließlich ein schaler Nachgeschmack bleibt, weil die Geschichte einfach so ins Leere führt. Andererseits ist die Leere ja auch der Springende Punkt. Nur nicht die Leere eines dunklen Tunnels, sondern die eines Bombenkraters.

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