Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Filmposter Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

6.5/10

Originaltitel: Who’s Afraid of Virginia Woolf?
USA | 1966 | 131 Min. | FSK: ab 16
Drama
Regie: Mike Nichols
Drehbuch: Ernest Lehman
Besetzung: Elizabeth Taylor, Richard Burton, George Segal, Sandy Dennis u.a.
Kinostart: 16.12.66
DVD/Blu-Ray VÖ: 15.12.06

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Es ist schon Nacht, doch Martha eröffnet ihrem langjährigen Ehegatten George, dass sie noch Gäste eingeladen hat: ein junges Pärchen, das die beiden unmittelbar zuvor auf einer Party kennen lernten. Nach harmlosem Geplänkel und einigen Drinks ziehen George und Martha die verunsicherten Gäste bei leidenschaftlichen Wortgefechten immer tiefer in ihre Eheprobleme mit hinein.

Wie ist der Film?

Seinerzeit ein gewagtes Unterfangen, diese Theateradaption nach Edward Albees 1962 uraufgeführtem Stück. Denn auf verbaler Ebene ist „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ so direkt und provokativ, wie man es im Kino bis dato selten erlebt hatte. Der sehr reduzierte Handlungsspielraum verstärkt diese Wirkung noch. Nach einem zahmen Einstieg erweist sich das Debüt von Regisseur Mike Nichols („Die Reifeprüfung“) als gemeiner Kopfweh-Cocktail aus Wut, Erniedrigung und Verbitterung über zerstörte Träume.

Nur vier Hauptfiguren tragen die Geschichte. Die dankbarste Rolle ist die der keifenden Gastgeberin, gefolgt von ihrem Ehemann, der jungen Blondine sowie deren Gatte. So verhält es sich auch mit den Schauspielleistungen: George Segal ist gut, Sandy Dennis besser, Richard Burton und Elisabeth Taylor sind hervorragend. Unter dem schauspielerischen Gesichtspunkt sehr interessant ist die Tatsache, dass Taylor und Burton auch im wahren Leben eine turbulente Ehe führten – ein Effekt, der zweifellos zum Kultstatus des Films beiträgt. Von den vielen gemeinsamen Filmauftritten der beiden ist jener in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ wohl der authentischste.

Bis auf ein paar holprige ‚unsichtbare‘ Schnitte überzeugt „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ auch auf technischer Ebene. Gerade Kammerspiele stellen für die Kamera eine Herausforderung dar, da sie eine eintönige Prämisse lebendig halten müssen. „Wer hat Angst vor Virginia Wollf“ bleibt lebendig und kreativ. Doch obwohl der Theaterstoff eine handwerklich gekonnte Filmsprache spricht und auf Schauplatzwechsel setzt, die im Stück nicht vorkommen, schleichen sich Längen ein. Bis zur kleinen, feinen Wendung am Schluss dreht sich die zermürbende Geschichte ein paar Mal im Kreis. Es bleibt eine überlange, aber brillant gespielte Dialog-Tour de Force auf völlig absurdem Alkoholpegel.

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