Ziemlich beste Freunde

DVD-Cover Ziemlich beste Freunde

6.5/10

Originaltitel: Intouchables
FR | 2011 | 110 Min. | FSK: ab 6
Komödie, Drama
Regie: Olivier Nakache, Éric Toledano
Drehbuch: Olivier Nakache, Éric Toledano
Besetzung: François Cluzet, Omar Sy u.a.
Kinostart: 05.01.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 07.09.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Senator Home Entertainment

Worum geht’s?

Paris. Eigentlich will sich der vorbestrafte Sozialhilfeempfänger Driss nur eine Unterschrift holen, um dem Amt zu beweisen, dass er auf Arbeitssuche ist. Doch überraschend stellt ihn der vom Hals abwärts gelähmte Aristokrat Philippe tatsächlich probeweise als Pfleger ein, denn Philippe gefallen Driss‘ Humor und dessen Einstellung: kein Mitleid. Als die Startschwierigkeiten bewältigt sind, entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft.

Wie ist der Film?

Szenenbild Ziemlich beste FreundeNach einem unauffälligen Start mauserte sich der vierte Film des Duos Olivier Nakache und Éric Toledano per Mundpropaganda zu einem Sensationserfolg mit Rekordzahlen an den Kinokassen, nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Nachbarländern und sogar in Übersee. Zwar wurde mit François Cluzet ein in Frankreich bekannter Star verpflichtet, doch konnte angesichts der verhältnismäßig schlichten Rahmenbedingungen der Produktion niemand ahnen, dass die Bombe derartig einschlagen würde, dass die Leute noch einen Tag vor DVD- und BD-Start ins Kino rennen. Ob „Ziemlich beste Freunde“ eine geniale Geschichte ist, tut dabei nichts zur Sache, denn zunächst ist dieses Phänomen lediglich ein Beweis für extreme Massenkompatibilität.

Es geht ganz konkret um Arm und Reich, körperliche Behinderung und einen sozialen Brennpunkt – Minderheiten, scharf ausgedrückt, und trotzdem ist „Ziemlich beste Freunde“ für jede Altersgruppe vom Grundschulkind bis zu den Großeltern problemlos konsumierbar und unterhaltsam. Es ist ein Wohlfühlfilm, und das ist im Prinzip auch das einzige, was man ihm vorwerfen kann. Die schwierige Ausgangslage, basierend auf einer wahren Geschichte, wird von den Regisseuren mit Respekt behandelt, wohl aber als leichte Kost verkauft. Erhobene Zeigefinger, überzeichnete Schauplätze und Rührseligkeit weiß der Film lobenswerterweise zu umgehen, allerdings ist er fast schon das andere Extrem.

„Ziemlich beste Freunde“ bietet viel zum Schmunzeln und achtet dabei darauf, auch immer wieder ernste und nachdenkliche Töne anzuschlagen, bleibt dabei aber aus Rücksicht auf die breite Masse an der Oberfläche, wodurch das Gefühl entsteht, dass der Film seine Themen nicht wirklich behandelt. Mit Fingerspitzengefühl lassen sich die Macher so einige wirklich freche Witze durchgehen, trauen sich aber trotzdem wenig. Ein französisches Ghetto, wie es einer der Protagonisten zur Heimat hat, muss natürlich nicht gleich aussehen wie in „Hass“; dafür ist „Schmetterling und Taucherglocke“ ein viel besseres Beispiel dafür, wie man sich in das Thema Körperlähmung wirklich einarbeitet (davon abgesehen, dass das Locked-in-Syndrom nochmal eine Steigerung darstellt).

Als die alte Leier vom ungleichen Paar funktioniert „Ziemlich beste Freunde“ allerdings bestens. Die Hauptdarsteller François Cluzet und Omar Sy hauchen dem Film viel Leben ein und es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Cluzet überzeugt zwangsläufig allein durch Mimik und als Ausgleich läuft Sy Gefahr, zum Clown zu werden. Die Chemie stimmt, auch mit den dezent gezeichneten Nebenfiguren. Auf handwerklicher Ebene Standard, mit einer schönen Klaviermusik versehen, ist „Ziemlich beste Freunde“ unterm Strich kurzweilige Unterhaltung, nur viel zu glatt, um aus der gehaltvollen Prämisse etwas wirklich Großes zu machen.

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2 Kommentare

  1. Dieser Film ist einfach erfrischend anders. Hoffen wir das Hollywood diesen Film nicht auch vergewaltigt!!!

    Habe ihn nach dieser Rezension hier gekauft und bin total begeistert. Die beiden Hauptcharaktere sind wirklich großartig dargestellt und sie harmonisieren perfekt. Und es handelt sich um eine wahre Geschichte.
    Wirklich fabelhaft wie der Film es schafft teilweise sehr ernste Themen so zu behandeln ohne dabei melankonisch zu wirken. Für mich ein absoluter muss-man-gesehen-haben Film
    Es gibt nich viele Filme die mich so berührt haben

    stellenweise musste ich an den film „das beste kommt zum schluss“ denken, da dort auch wunderbar der Unterschied zwischen arm und reich dargestellt wurde und was passieren kann wenn diese beiden Welten aufeinander treffen

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