Fetisch im Film – Blümchensex ist out

SM

Mit vernichtenden Kritiken und hohen Umsätzen startete „50 Shades of Grey“ im Frühjahr 2015 in den Kinos. Hinter der Geschichte über einen Milliardär und seine Schlafzimmervorlieben steckt ein Phänomen, dem das Feuilleton gar nichts anhaben kann. Die Verfilmung basiert auf einer Roman-Trilogie. Böse Zungen mögen sie als ‚das „Twilight“ für die Mama‘ bezeichnen. Der Seitenhieb kommt nicht von ungefähr, schließlich entstammt die Buchidee tatsächlich Fanfiction-Texten zu besagter Vampir-Saga. Autorin E.L. James begann als Hobby-Bloggerin und fand sich auf Bestseller-Listen wieder. Grund genug für einen Boom erotischer Literatur.

Sadomaso-Geschichten sind schwer angesagt. Während viele Nachwuchsschreiberlinge einfach auf den Zug aufspringen, sind Mitglieder der BDSM-Szene bemüht, richtigzustellen, was die „Shades of Grey“-Romane verklären. Doch natürlich galt auch schon vor E.L. James der Leitsatz „Sex sells“. Viele Filme (auch außerhalb der Pornoindustrie) behandeln sexuellen Beziehungen zwischen Mann und Frau. Roman Polanskis geniales Kammerspiel „Venus im Pelz“ etwa widmet sich keinem geringeren als dem Namensgeber des Begriffs ‚Sadomasochismus‘ – Leopold von Sacher-Masoch. Neben Unterwerfung in Ketten und Latex erforschte das Kino noch so manch anderen Fetisch.

„Crash“ von David Cronenberg zeigt Menschen, die sich an der rohen Energie von Autounfällen erregen und es in Trümmern treiben. Der Low-Budget-Film „Trouble Every Day“ soll den Lustgewinn durch Kannibalismus, auch Autokannibalismus, beleuchten. Ein anderer Low-Budget-Streifen kommt von Jörg Buttgereit und trägt den ziemlich selbsterklärenden Titel „Nekromantik“. Zu abgefahren? Kubricks „Eyes Wide Shut“ liefert das ikonischste Filmbeispiel für mehr oder weniger harmlose Orgien. Und was alltägliche Nahrungsmittel mit Sex zu tun haben, zeigen gewisse Szenen der Klassiker „9 ½ Wochen“ und „Der letzte Tango in Paris“.

Es müssen ja nicht gleich Männer in Frauenklamotten à la Ed Wood und Norman Bates oder eben Fesselspiele im Hause Grey sein. Auch der Voyeurismus gilt gemeinhin als sexuelle Vorliebe. Einfach mal still beobachten. Und Filme basieren generell auf Voyeurismus. Was sagt das wohl über uns aus? Ganz unschuldig ist niemand von uns. Und warum nicht mal etwas Neues ausprobieren, statt nur zu gucken, was die anderen machen? Eine Frage, die sich sowohl Privatpersonen als auch die Filmindustrie stellen sollten.

1 Kommentar

  1. Leopold von Sacher-Masoch war der Namensgeber des Begriffs ‚Masochismus‘, der des ‚Sadismus‘ war Donatien Alphonse François Marquis de Sade.
    Die Begriffe wurden erstmals 1886 vom deutschen Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing in seinem wohl bekanntesten Werk ‚Psychopathia sexualis‘ verwendet.
    Wer daraus das Kompositum ‚Sadomasochismus‘ bastelte, ist mir nicht bekannt.

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