Neurosen statt Posen? Psychologie in Film und Serie

PsychologieDie Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland steigt. Oder vielleicht nur das Bewusstsein für diese früher nicht wirklich anerkannten Leiden? Fest steht, Praxen für Psychotherapie sind noch gefragter als die Premieren von Hollywood-Blockbustern im Kino. Bedarf in der Hauptstadt? Ein Beispiel: Psychologe Berlin.
Auch in Filmen und Serien scheint das Interesse für Psychosen und Depressionen zu wachsen, können sich doch viele Menschen damit identifizieren. Die On-Screen-Therapie ist eine unmittelbare wie aufregende Form der Figurenzeichnung.

Dem Wahn verfallene Bösewichte gab es schon immer, doch im Trend liegen Sympathieträger, die selbst mit ernsten Wahrnehmungsstörungen und Traumas kämpfen. Colin Firth als „A Single Man“ etwa ist ein grandios gespieltes Beispiel für einen todessehnsüchtigen Menschen, der in der heutigen Realität bestimmt professionelle Hilfe erhalten würde. (Firths Oscar kam dann ein Jahr verspätet für „The King’s Speech“, in dem es auch um Therapie geht.) Dass man ähnliche Themen sogar sehr humorvoll und dennoch ernsthaft verarbeiten kann, beweisen Werke wie „Lars und die Frauen“ (fantastisch: Ryan Gosling mal als Gegenteil von Frauenheld) oder „Silver Linings“ (Oscar für Jennifer Lawrence).

Depressionen & Co sind nicht nur etwas für Erwachsene; auch die jugendliche Identitätskrise kann alarmierende Ausmaße annehmen, wie beispielsweise der Geheimtipp „It’s Kind of a Funny Story“ erzählt. Dann gibt es in Film und Fernsehen natürlich noch die andere Seite, die Therapeuten. Sitzungen bei Hannibal Lecter zu buchen, wäre äußerst fragwürdig, wobei Serien-Protagonist Will Graham eindeutig Hilfe braucht. Psychiater Ben in „American Horror Story“ Staffel 1 müsste auch in erster Linie sich selbst helfen. (Interessanterweise spielt Staffel 2 in einer Nervenheilanstalt.) In guten Händen wäre man hingegen bei Sean Maguire (Robin Williams) aus „Good Will Hunting“.

Sind psychisch angeknackste Menschen beziehungsweise Psychologie-Experten die besseren Hauptfiguren? Zumindest können psychische Charakterstudien genauso spannend sein wie aufwändige Actionszenen. Ein Teil des Kinopublikums scheint sich dessen gar nicht so recht bewusst zu sein.

Ein paar weitere interessante Tipps zum Thema: „Mary & Max oder Schrumpfen Schafe wenn es regnet?“, „Ben X“, „Eine dunkle Begierde“, „Antichrist“. Was fehlt?

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