Cloud Atlas

Filmposter Cloud Atlas

7.5/10

Originaltitel: Cloud Atlas
USA, DE, HK, SG | 2012 | 172 Min. | FSK: ab 12
Drama, Science-Fiction, Mystery, Episodenfilm
Regie: Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski
Drehbuch: Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski
Besetzung: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Ben Wishaw, Hugh Grant, Susan Sarandon u.a.
Kinostart: 15.11.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 12.04.13

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © X Verleih

Worum geht’s?

1849, 1936, 1973, 2012, 2144 und 2321 – sechs Zeitalter, sechs Geschichten. Ein kranker Schiffsreisender hinterfragt die Sklaverei, ein junger Musiker lernt bei einem Meisterkomponisten, eine engagierte Reporterin deckt einen Skandal auf, ein zerstreuter Verleger wird verfolgt, eine geklonte Kellnerin erlebt einen Aufstand und ein postapokalyptischer Ziegenhirte erfährt die Wahrheit über die Vergangenheit. Alles hängt zusammen.

Wie ist der Film?

„Cloud Atlas“ ist nach „The Tree of Life“ der nächste Versuch eines Überfilms, mit dem Unterschied, dass „Cloud Atlas“ zwar philosophisch flacher, dafür aber konkreter und schlichtweg unterhaltsamer ist. Mit Tom Tykwer („Lola Rennt“, „Das Parfum – Die Geschichte eins Mörders“) und den Wachowski-Geschwistern („Matrix“) entstand eine spannende, harmonische Allianz, welche das Mammutprojekt effizient durch gleichzeitiges Arbeiten in zwei Teams stemmte und die Erzählstruktur des eigentlich ja unverfilmbaren Romans gekonnt für die Leinwand übersetzte.

Während im Buch die verschiedenen Geschichten nacheinander erzählt, an einem Höhepunkt abgebrochen und dann nochmal rückwärts aufgereiht werden, schildert der Film seine sechs Segmente wild zerstückelt, wie es im zeitgemäßen Kino üblich ist, wohl aber mit Konzept. Anders als der ähnlich große „Inception“ ist „Cloud Atlas“ keine komplexe Verschachtelung, sondern eigentlich nur eine einzige Geschichte, die Jahrhunderte dauert und nicht chronologisch erzählt wird. Nach der ein wenig erdrückenden Anfangsphase findet man sich in dem steten Wechsel der Epochen dann auch ganz gut zurecht, entgegen der Befürchtungen. Und so kompliziert ist alles letztlich gar nicht.

Szenenbild Cloud AtlasEs ist eine wirklich stattliche Leistung, wie der Schnitt einen Rhythmus für das halbe Dutzend Handlungsstränge findet. Zwar wird selbst dem geduldigeren Publikum mit der Flut an Dialogen einiges zugemutet, doch im Großen und Ganzen hält „Cloud Atlas“ über mehr als zweieinhalb Stunden hinweg glänzend bei der Stange, und die so drastisch unterschiedlichen Einzelteile finden tatsächlich einen Einklang. Dennoch äußert sich das Leitthema, alles sei verbunden, nur sehr subtil bis oberflächlich. Die Episoden haben einige kleine Verknüpfungspunkte, greifen aber nicht wirklich ineinander – dafür sind sie eben zeitlich zu weit voneinander entfernt. Statt einem Masterplan des Universums darf man also nur milde esoterische Bestätigung erwarten.

Nur in einer (actionreichen) Sequenz etwa in der Mitte treiben sich die Handlungsstränge wirklich gegenseitig an, ansonsten existieren sie in erster Linie friedlich nebeneinander. Eine große Portion Komödie und der eine oder andere überraschend brutale Moment verhindern zum Glück, dass die Prämisse allzu bedeutungsschwanger daherkommt. Manchmal wird es fast zu albern, doch braucht der Film das, um nicht zu pathetisch zu geraten. Ein wenig Kitsch, gerade durch die predigenden (Off-) Kommentare bleibt, obwohl für mitreißende Liebesgeschichten gar zu wenig Zeit ist.

Alles ist verbunden, menschliches Handeln hat Konsequenzen, auch über Generationen hinweg bis hin zur Wiedergeburt, vorherrschende Zustände müssen hinterfragt werden, Menschen können sich vom Schlimmsten zum Besten und andersrum entwickeln, Menschen lassen etwas für die Nachwelt zurück – diese im Kern ganz simplen Thesen vermittelt „Cloud Atlas“ mit genussvoll exzessivem Ausstattungskino und einer bizarren Makeup-Parade. Halle Berry, Tom Hanks und andere Mitglieder eines starken Ensembles toben sich in bis zu sechs, teils Ethnie- und geschlechterübergreifenden Rollen richtig aus, was nicht nur Größenwahn ist, sondern eben auch die Zusammenhänge unterstreichen soll. Hervorzuheben ist Hugh Grant, weil er gekonnt gegen sein Image als Liebesfilmstar anspielt; Jim Broadbent verwandelt sich schauspielerisch am verblüffendsten.

Die Musik, auch von Tykwer, ist emotional, aber angenehm dezent, weil man sich ja konzentrieren muss. Das, worauf man sich da konzentriert, sind prächtige Exempel und Veranschaulichung für einige hübsche kleine Ideen. Eine jeweils eigene erzählerische Kraft bleibt bei den einzelnen Episoden etwas auf der Strecke. Das zeigt auch das verpuffende, kaum abzuschätzende Ende, welches einen mit sich selbst zurücklässt. „Cloud Atlas“ ist eben ein großes, mal übermütiges, mal revolutionäres Projekt, das zu viel ausprobiert, um tief bewegen zu können. Trotzdem kann man in diesem radikalen Genremix durchaus Spaß haben, sich verzaubern lassen und zum Nachdenken angeregt werden – insofern hat diese Auslotung der Möglichkeiten und Grenzen des Kinos funktioniert.

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