Triangle – Die Angst kommt in Wellen

DVD-Cover Triangle

8/10

Originaltitel: Triangle
GB, AU | 2009 | ca. 94 Min. | FSK: ab 16
Thriller, Mystery, Horror, Drama, Direct-to-DVD
Regie: Christopher Smith
Drehbuch: Christopher Smith
Besetzung: Melissa George, Liam Hemsworth u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 06.05.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Ascot Elite

Worum geht’s?

Eine sechsköpfige Gruppe, darunter die alleinerziehende Mutter Jess, sticht für einen Segeltörn in See. Irgendwann tritt mitten im Ozean urplötzlich völlige Windstille ein, gefolgt von einem heftigen Unwetter. Als die Rettung der Gekenterten gesichert scheint, hat Jess seltsame Déjà-vu-Erlebnisse. Bald darauf offenbart sich ihr grausames Schicksal.

Wie ist der Film?

Da Qualität leider kein stark gewichtetes Kriterium für eine Kinoauswertung ist, darf man den direkt in die DVD-Regale wandernden „Triangle“ unter den Geheimtipps verbuchen. Regisseur und Autor Christopher Smith überrascht nach Franka Potentes One-Woman-Show „Creep“ und der aberwitzigen Splatterkomödie „Severance“ wieder aufs Neue, diesmal mit einem Mystery-Thriller der härteren Gangart. Alles beginnt wie schon zigmal gesehen – und wird schließlich zum Mindfuck des Jahres.

Je weniger man im Vorfeld von „Triangle“ weiß, desto mehr wirkt er. Die Grundhandlung bietet eine regelrechte Steilvorlage, um unbeeindruckt eine Reihe ähnlicher Filme aufzulisten, und ist doch unheimlich originell. Was da aus altbekannten Versatzstücken zusammengebastelt wurde, ist ein echter Psychotrip, der gekonnt mit dem anfangs erwarteten Survival-Horror bricht und durch ein ausgeklügeltes Drehbuch aus dem überschaubaren Budget das Beste herausholt. Eine nicht ganz neue aber mit viel Köpfchen umgesetzte Idee, inspirierte Kameraarbeit, beklemmende Musik, solide Spezialeffekte und kaum bekannte aber fähige Darsteller, mehr ist hier nicht nötig um ein wirklich nachhaltiges Filmerlebnis zu schaffen.

Hauptdarstellerin Melissa George („Turistas“, „30 Days of Night“) erfüllt anfangs das nervige Klischee der Außenseiterin in der Gruppe, die permanent betroffen-geistesabwesend dreinschaut und die einzige ist, die „etwas ahnt“, doch wie Smith die uninspirierte Einleitung schließlich rechtfertigt, ist schlicht und einfach der Knüller. Die größte Stärke von „Triangle“ ist, dass man in der verzwickten Geschichte nicht etwa Leerlauf zu überstehen hat, sondern gar fürchtet, der Film könnte frühzeitig enden, so sehr hängt man an den mysteriösen Fragen und Antworten. Selten wird man so systematisch zur empathischen Verzweiflung getrieben wie in „Triangle“.

Zweifellos handelt es sich bei diesem rätselhaften Horrorthriller um eine Geschichte, die viele Teilzeit-Knobler als haarsträubend unlogisch abtun werden, doch „Triangle“ ist in sich durchaus stimmig, funktioniert gerade durch das Weglassen von Erklärungen so gut und darf trotz der paar hintergründigen Anspielungen nicht zu Tode interpretiert, sondern einfach genossen werden. So bekommt man ein richtig fieses und kluges Spiel mit der Psyche, trotz verhältnismäßig geringer Produktionsmittel eine der Top-Empfehlungen des Heimkinojahres.

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9 Kommentare

  1. Sehenswerter Film! Beim ersten Mal versucht im Kopf alles zurück zu spulen – vergeblich, beim zweiten Mal trotzdem noch fasziniert davor gesessen.

  2. Wie geraten, angeschaut ohne vorher noch Infos einzuholen oder Trailer.

    Nicht einfach ohne zu spoilern… Splatter bzw. billigem Splatter? Darunter verstehe ich etwas anderes. Klar hat der Film seine harten Momenten aber zur Abwechslung mal keine Folter, oder wie kille/verstümmele ich am fantasievollsten/perversesten/originellsten.

    Regisseur und Cutter verstehen ihr Handwerk. Verwirrt war ich nie, auch ausschalten wollte ich nie :-).

    Nach ungefähr 2/3 dachte ich zwar jetzt wird’s aber langsam Zeit – das liegt aber nicht an dem Film, sondern an meiner Ungeduld. Kann mit Spannung schlecht umgehen 🙂

    War auf jeden Fall keine Zeitverschwendung, und schön mal neue unverbrauchte Gesichter zu sehen. Mir hängen die „Scream“’s und Konsorten langsam zum Halse raus. 😉

    PS Deine Kritik wird auf Wikipedia erwähnt…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Triangle_%E2%80%93_Die_Angst_kommt_in_Wellen

    • Also warst du wohl nicht so begeistert wie ich, aber doch angetan?

      Das mit Wikipedia weiß ich, freut mich auch. Hat schon so manchen Neuling auf diese Website geführt. 🙂

  3. Angetan, sehr weil es meines Erachtens technisch sehr gut gemacht war. Vielleicht muss ich es ein 2. Mal anschauen, ich kenne dann zwar das Ende, bin aber dann eben auch nicht so unter Druck für die Lösung.

  4. [Anm. v. widf: Dieser Kommentar ist ein SPOILER!] Habe den Film gestern das 1.Mal gesehen und erkläre mir das Ganze so:
    es existieren 1 übergeordnete und 1 Subzeitschleife, die innerhalb der übergeordneten 6 mal abläuft.
    Nach jeweils 3 Abläufen der Subzeitschleife wird die Protagonistin von sich selbst auf der Aeolus über Bord geworfen, kehrt nach Hause zurück, bringt ihr anderes Ego um und baut mit Ihrem Sohn den Autounfall.
    Inzwischen kommt ihre Nachfolgerin aus den nächsten 3 Subzeitschleifenabläufen an, sieht sich und Ihren
    Sohn tot auf der Straße liegen und beschließt, den Segeltörn mitzumachen, um ihren Sohn zu retten usw.
    Gegenvorschläge?

    • Ja: Diese Seite spoilerfrei halten, weil das ihr grundlegendes Konzept ist. Da allerdings sehr, sehr viele Suchanfragen für Erklärungen zum Film auf diese Seite führten, lasse ich das mal stehen.

    • [Anm. v. widf: SPOILER again]

      „Inzwischen kommt ihre Nachfolgerin aus den nächsten 3 Subzeitschleifenabläufen an, sieht sich und Ihren
      Sohn tot auf der Straße liegen“

      Dies stimmt nicht so ganz…sie kommt nicht erst an den Unfallort, sondern ist bevor alle angekommen sind aus dem auto raus. denn aufzufinden waren ja nur scho die tote jess un der sohn. realisiert in dem moment das sie nur sohn retten kann, indem sie wieder an diese stelle kommt.

      Achja noch ein hintergrund: Das Schiff heißt Aiolos. Dies steht für den griechischen gott der winde, der in der mythologie einen sohn Sisyphos hat der durch schlechte taten bestraft wurde.Die Strafe bestand darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Kurz bevor er das Ende des Hangs erreichte, entglitt ihm der Stein, und er musste wieder von vorne anfangen.
      Jess= Sisyphos, für ihr schlechtes verhalten gegenüber ihrem sohn…sie muss das ganze alles immer wieder erleben

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  1. Triangle (Film)

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