Liebe

Filmposter Liebe

7.5/10

Originaltitel: Amour
DE, FR, AT | 2012 | 127 Min. | FSK: ab 12
Drama
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Besetzung: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva u.a.
Kinostart: 20.09.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 22.02.13

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bild © X Verleih

Worum geht’s?

Anne und George verbringen ihren Ruhestand gemütlich in einer geräumigen Altbauwohnung in Paris. Doch als Anne eines Morgens einen leichten Schlaganfall erleidet und zur Untersuchung geschickt wird, beginnt ein neuer Abschnitt im Leben des alten Ehepaares, der die Liebe der beiden auf eine letzte Probe stellt.

Wie ist der Film?

Ziemlich beste Freunde“ avancierte dank humorvoller Aufbereitung eines dramatischen Themas als eine Art filmische Umarmung zu einem Sensationserfolg an den Kinokassen. Da gibt es aber noch diesen anderen, im selben Jahr erschienenen französischen Film, der ebenfalls vom Umsorgen eines Pflegefalls im Rollstuhl handelt. Und dieser Film hinterlässt eben kein wohliges Gefühl; man schaut ihn sich nicht an, man setzt sich ihm aus. So machte „Liebe“ zunächst auch nur Festivalpublikum sowie das Feuilleton auf sich aufmerksam – und löste dort, statt in den hiesigen Kinos, Begeisterungsstürme aus. Es ist bei weitem nicht der angenehmere, aber es ist der bessere Film.

Michael Haneke („Funny Games“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“) bleibt seinem Stil auch in dieser französisch-deutsch-österreichischen Koproduktion treu: wenige, lange, sorgfältige Einstellungen in drückender Stille. Zu „Liebe“ passt diese Form ganz besonders, wirkt etwas weniger aufgesetzt, denn sie harmoniert mit den natürlicherweise langsamen, gewählten Bewegungen der Hauptfiguren, die ihren Lebensabend in kultivierter Abgeschiedenheit vom Trubel da draußen verbringen. Nichtsdestotrotz neigt Haneke wieder zum Dehnen – er beobachtet sorgfältig, verharrt um des Realismus willen, erstarrt aber auch um des Stils willen.

„Liebe“ ist ein authentisches Drama, das beachtlich konsequent und konzentriert den Weg des Sterbens geht. Betont unsentimental schleicht sich die kammerspielartige Geschichte dann und wann tief ins Gemüt und regt zum Nachdenken an, über das Leben, wie es weitergehen und enden wird, was man daran (zu verlieren) hat. Der eigentlich schon von der Bildfläche verschwundene Jean-Louis Trintignant und die selbst mit über 80 Jahren noch eine jugendliche Schönheit ausstrahlende Emmanuelle Riva spielen schlicht wie eindringlich; gerade Riva legt sich bei der Darstellung des physischen und psychischen Verfalls ins Zeug, was ihr eine Oscarnominierung einbrachte. Die Chemie zwischen den beiden bewahrt den Film davor, mühsam zu werden.

Noch authentischer, weil noch weniger auf die Betonung formaler Markenzeichen bedacht, hat Andreas Dresen im Vorjahr mit „Halt auf freier Strecke“ das Sterben eines geliebten Menschen thematisiert. Haneke wählt hingegen eine auffällig unauffällige Ästhetik, die für Viele schwierig sein mag, den Autorenfilmer aber eben besonders macht. Schade, dass er, nachdem er so schön ins Thema eintaucht und so geradlinig erzählt, zum Schluss noch etwas konfus wird und die emotionale Kraft seiner Geschichte selbst ein wenig ausbremst. Dennoch ist „Liebe“ ein bemerkenswertes Drama über den grausamen Lauf der Natur, der uns alle angeht. Und natürlich über Liebe, weil sich erst in schlechten Zeiten zeigt, was sie wirklich bedeutet.

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