Drive

Filmposter Drive

6/10

Originaltitel: Drive
USA | 2011 | ca. 101 Min. | FSK: ab 18
Drama, Action, Thriller, Krimi, Romanadaption
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini
Besetzung: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston u.a.
Kinostart: 26.01.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 29.06.12

Links zum Film:
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Bilder © Universum Film

Worum geht’s?

Tagsüber setzt er sich an Filmsets als Stuntman hinters Lenkrad und arbeitet als Mechaniker, nachts steuert er Fluchtwägen bei Raubüberfällen: der Driver. In seinen Jobs macht ihm niemand etwas vor. Emotionen entlockt ihm höchstens seine hübsche Nachbarin Irene. Als er Irenes Mann, der von Gangstern erpresst wird, unter die Arme greifen will, setzt er alles aufs Spiel.

Wie ist der Film?

Zwischen abgefahren und fahrlässig fährt „Drive“ eine eigene Fahrbahn. Der Hollywood-unerfahrene Regisseur Nicolas Winding Refn („Walhalla Rising“) überfährt einen mit einem Verfahren voller Gefahren. Im Klartext: Der Film schöpft aus Elementen von B-Movies, Film noir und den 80ern, zollt den großen Auto-Actionfilmen wie „Bullitt“ und „Fluchtpunkt San Francisco“ sowie den wortkargen Leinwandhelden der letzten fünf Jahrzehnte à la Clint Eastwood Tribut, erzählt alternativ in „Reservoir Dogs“-Manier und streift dem Ganzen ein edles Programmkino-Korsett über. Das ist eine hübsche, teilweise homogene Stilübung, die weniger Substanz hat, als es dem Publikum weiß gemacht wird.

Szenenbild DriveNatürlich darf man hier keinen wilden Ritt erwarten, in dem auch Jason Statham („Crank“, „The Transporter“) die Hauptrolle spielen könnte. Doch auch so fühlt „Drive“ sich länger an als er ist. Der gekonnt inszenierte Einstieg generiert eigenartig-subtile Spannung und einen Interesse weckenden Ruhe-vor-dem-Sturm-Eindruck. Nur werden die meisten Sturm-Erwartungen enttäuscht. Stattdessen überrumpelt Refn mit extremen Gewalt-Einlagen, die sich, so drastisch, wie sie sind, im Kontext nicht rechtfertigen können. Ein besseres Markenzeichen ist der präzise statt laute Ton, inklusive anmutigem Elektropop-Soundtrack.

Man muss Refn lassen: Er kann viel erzählen, ohne viele Worte zu verlieren. Das ist in erster Linie aber dem Supertalent Ryan Gosling („Blue Valentine“, „The Ides of March – Tage des Verrats“) zu verdanken, der hier mit einem unterkühlten Auftreten fasziniert und so bei jeder kleinen Regung einiges verrät. Mit viel marodem Charme gefällt neben ihm Bryan Cranston, aktuell bekannt durch die Serie „Breaking Bad“, vor allem wenn man ihn noch als albernen Vater in „Malcom Mittendrin“ kennt. Albert Brooks und Ron „Hellboy“ Pearlman gehen in ihren Gangster-Rollen auf. Carey Mulligan („An Education“) ist süß und darf vom Drehbuch her auch nicht mehr sein.

Geschickt entlockt „Drive“ der Thematik mit schleichender Kamera poetische, opernhafte Facetten, wo eigentlich keine sind. Denn die Geschichte ist im Kern eben doch nur die bekannte Geldschieberei samt Mafia, Racheakt und einer verbrauchten Romanze, obendrein mit einem geradezu beleidigend eindimensionalen Frauen- und Männerbild. Die Romanadaption übt sich formell in Eleganz und arbeitet zart einen 80er-Retro-Charme ein, was die Meute feiert, weil sie dankbar für die Abwechslung ist. Nebst ein paar starken Ansätzen steckt aber nicht viel dahinter. Da sollte man schon eine sehr erwachsene Liebe zum Genre mitbringen. Es ist wie ein zu stark aufgepumpter Autoreifen: viel heiße Luft, und noch ein bisschen mehr, dann würde gar nichts mehr funktionieren.

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8 Kommentare

  1. Hm, da möchte ich widersprechen, den „Drive“ hat mich schlicht aus den Socken gehauen. Ich finde nicht, dass dem Film die Substanz fehlt. Ja, eine Handlung gibt es lediglich in rudimentärer Form – aber wo steht eigentlich, dass das prinzipiell schlimm ist? Für mich war wichtig, dass ich unter der perfekten Oberfläche sowas wie eine Filmseele ausmachen konnte. Ich habe nicht nur gestaunt über die coole Inszenierung, ich habe zwischenmenschliche Zuneigung gespürt und viel Melancholie. Ich wurde von der – zugegeben vielleicht zu exzessiven – Gewalt getroffen, anstatt sie nur wie in zig 0815-Actionfilmen einfach bloß hinzunehmen. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was hinter der Fassade des Drivers steckt und mich gleichzeitig wie in Trance durchs nächtliche L.A. fahren lassen. Kurz: Ich wurde bewegt, intellektuell stimuliert und berauscht. Mehr kann ein Film für mich nicht leisten. 🙂

    • Eine nachvollziehbare Sichtweise und vor allem, glaube ich, genau das, was der Film erreichen will. Klappt halt nur nicht bei jedem. 🙂 Gerade diese Faktoren, die man eben fühlen muss, haben mich nicht überzeugt.

      • Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht, als ich mich nach dem Film darüber unterhalten habe. Einige stimmten mir zu, andere stießen sich an der Gewalt und fühlten sich emotional zu wenig involviert. Hier sind wir glaube ich in einem Bereich persönlicher Empfindung, über den man nicht streiten kann.

  2. ja, war schon enttäuscht. Vor allem war er überhaupt nicht spannend. Was nicht zu erzählen bedeutet eben nicht unbedingt Raum für Interpretation zu lassen.
    Schöne Bilder reichen nicht. Lieber das tolle Buch lesen und die spackige Hollywood-Nummer schnell vergessen. Ne, Videoclip, Gewalt und Noir, das klingt eben nur gut. Mir hat das erzählen gefehlt. So war es doch bei Walhalla Rising zuvor auch schon.

  3. Also, ich fand den Film einfach genial. Die Mischung aus der ruhigen Erzählweise und der faszinierenden Musik (www.tv-snoop.de/drive-soundtrack) ist einfach nur magisch. Klar, so manchem gefallen solche Filme nicht, die in Richtung Arthouse steuern. Aber dennoch sollte man Drive eine Chance geben. Er ist eben anders.

  4. 3 Freunde rieten mir, unbedingt den tollen Film „Drive“ zu schauen.
    Zusammen mit meiner Freundin schaute ich mir, in großer Erwartung auf einen tollen Abend, den Film an. Während des Films schrieb ich SMS an diese „Freunde“ was denn bitte so toll an dem Film sein solle?!

    positive Aspekte:

    negative Aspekte:
    – vorhersehbare Handlung
    – abgedroschene Handlung ( kennt man schon aus 2000 anderen Filmen) => langweilig
    – Schauspieler hatten keine Persönlichkeit
    – Protagonist ist ein Typ, der Nachts den harten Gangster spielt und dann mit dem Jungen der Nachbarin Spongebob guckt und dämlich blöd grinst als hätte man ihm einen großen Lolly geschenkt oder als dürfe er gleich eine Runde auf einem Pony reiten
    – die Musik sollte Gefühle und Emotionen wecken?! Tat sie aber nicht! Wir mussten gähnen
    – …
    ich könnte hier noch lange fortfahren, jedoch bin ich müde, ein Resultat des Film schauens.

    Fazit:
    WARUM ist der Protagonist auf eine Nachbarin scharf, die einfach mal sooo langweilig ist? Er hat sie paar Mal gesehen und selbst da gab es keine „magischen“ Momente oder irgendwas, was ihn beeindrucken würde. Ihr Blick sieht aus wie eingeschlafene Füße. Bitte warum ist sie toll?
    Was will uns der Film sagen??

    Ich würde dem Film 1 1/2 bis 2 von 10 Sternen geben und ihn nicht weiterempfehlen. Ankündigen von wegen “ jetzt schon ein Klassiker“ bringen mich zum Kopf schütteln. Da frage ich mich sogar, ob ich den richtigen Film gesehen habe. Wir reden schon über “ Drive“! Gedreht 2011!

    Wie auch immer! Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

    • Danke für diesen ausführlichen Kommentar. Das ist zwar schon wieder extrem, aber ich freue mich über jede negative Meinung zu „Drive“. 🙂

  5. Der Film polarisiert da er nicht in die Schiene eines klassischen Actionfilm passt. Er bedient sich und kombiniert auf ungewöhnliche Weise verschiedener Elementel. Ich persönlich finde ihn, inbesondere durch die überzeugende Darstellung des Drivers von Gosling, als einen genialen Film.

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