Intoleranz

Filmposter Intolerance5.5/10

Originaltitel: Intolerance
USA | 1916 | ca. 197 Min. | FSK: ?
Drama
Regie: D. W. Griffith
Drehbuch: D. W. Griffith
Besetzung: Vera Lewis, Ralph Lewis, Mae Marsh u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 27.12.00

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia

Worum geht’s?

Verschiedene Formen der Intoleranz in vier Jahrzehnten der Menschheitsgeschichte. 539 v. Christus: Der Fall Babylons mit dem jungen Herrscher Belsazar. Judäa: Jesus verteidigt eine Ehebrecherin und wird schließlich gekreuzigt. Frankreich in der Renaissancezeit: Die Hugenotten erschüttern die Monarchie. Die USA der Gegenwart: Im rücksichtslosen Kapitalismus rutscht ein gefeuerter Arbeiter in die Kriminalität, bis er sich verliebt.

Wie ist der Film?

Als ‚Vater des Films‘ wurde D.W. Griffith von einer seiner Darstellerinnen bezeichnet; er habe uns die ‚Grammatik des Filmemachens‘ geschenkt. Und es stimmt, dass er viele Grundwerkzeuge der Filmtechnik zwar nicht zwingend erfunden, aber für abendfüllende Unterhaltung salonfähig gemacht hat. So unumstritten seine Bedeutung für das Kino, so zweifelhaft sind die Geschichten, die Griffith erzählt.

Auf das überaus rassistische Epos „Die Geburt einer Nation“ (1915) folgt der nicht mehr rassistische, sondern nur noch pazifistische „Intoleranz“. Hierfür will Griffith seinen Pomp noch übertreffen. Eine Inspirationsquelle ist der bahnbrechende Historienfilm „Cabiria“ (1914) aus Italien, woraufhin Griffith das antike Babylon nachbauen lässt – ein Filmset, das seinesgleichen sucht. Damit aber nicht genug, Griffith konzipiert außerdem zwei weitere historische Episoden und montiert diese um ein bereits gestartetes, in der Gegenwart spielendes Projekt herum.

Szenenbild Intolerance„Intolerance“ verwebt vier Zeitebenen kunstvoll miteinander. Dieses Hin- und Herspringen der Montage hob das damals noch junge Medium Film auf ein völlig neues Level. Das Problem: Die vier Episoden sind in ihrer Detailliertheit sehr unterschiedlich. Während im Showdown fast nur noch die Gegenwartsepisode verwendet wird, beschränkt sich der Jesus-Part auf ein paar kurze Einschübe, die das Gesamtwerk nur noch pathetischer machen. Die Babylon-Episode besitzt mit dem ‚Mountain Girl‘ die unterhaltsamste Figur, dient aber vor allem dem Prunk. – Das 1:1 gebaute antike Königreich gehört bis heute zu den beeindruckendsten Anblicken der Kinogeschichte. Dazwischen sind die Szenen in der französischen Renaissancezeit weder Fisch noch Fleisch.

Auch wenn Griffith ein effektives, temporeiches Finale gelingt, wirkt die Kreuzmontage der vier Episoden insgesamt chaotisch. Bevor das Publikum eine tiefere Bindung zu den Figuren aufbauen kann, springt die Erzählung wieder zur nächsten Episode. Nur bei dem Melodram um das zeitgenössische Pärchen lässt es sich etwas mitleiden. Das System hinter dem Konzept bleibt schwammig. Zum Abschluss setzt der Regisseur seinem Mammutprojekt mit einer verstörenden Effektsequenz die Krone auf und wirbt nochmal extradeutlich für Weltfrieden.

Noch ein generelles Problem des Films: die Zwischentitel erklären so gebetsmühlenartig die Konflikte und Botschaften der Handlung, dass die eigentliche Handlung in ihrer Länge redundant wirkt. Die drei Stunden werden zur Geduldsprobe. Wachzurütteln vermögen dann fast nur noch die beeindruckend brutalen Schlachtszenen. „Intolerance“ war seiner Zeit der mit Abstand teuerste Film und lässt sich als einer der größten Filme aller Zeiten bezeichnen. Treffender ist aber: Der Film knickt unter seinem Größenwahn ein.

Der ganze Film ist auf YouTube zu finden. Empfohlen wird die Fassung von arte.

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