Captain Marvel

Filmposter Captain Marvel

7/10

Originaltitel: Captain Marvel
USA | 2019 | 124 Min. | FSK: ab 12
Comicadaption, Science-Fiction, Fantasy, Action
Regie: Ryan Fleck, Anna Boden
Drehbuch: Meg LeFauve, Nicole Perlman, Geneva Robertson-Dworet, Anna Boden, Ryan Fleck
Besetzung: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Jude Law u.a.
Kinostart: 07.03.19
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.07.19

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Bilder © Marvel Studios 2019

Worum geht’s?

Auf dem Planeten der Kree lernt die Kriegerin Vers von ihrem Mentor, ihre besonderen Kräfte zu bündeln. An ihr früheres Leben kann Vers sich nur bruchstückhaft erinnern. Nach einem Kampf gegen die Skrulls – die Erzfeinde der Kree – landet Vers auf der Erde. Dort findet sie heraus, dass sie eigentlich ein Mensch mit dem Namen Carol Denvers ist. In Geheimagent Nick Fury findet Carol einen Verbündeten, um das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu lüften.

Wie ist der Film?

Zum ersten Mal im Marvel Cinematic Universe trägt eine Frau als alleinige Hauptfigur den Film und zum ersten Mal sitzt eine Frau auf dem Regiestuhl, es wurde ja auch Zeit. Anna Boden und ihr Co-Regisseur Ryan Fleck kommen aus dem Indie-Bereich („It’s Kind of a Funny Story“) und verleihen nun auch einem Blockbuster ihre Seele. Hauptdarstellerin Brie Larson („Raum“) ist in der körperlichen Form ihres Lebens und agiert zweifellos auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen. Ja, Captain Marvel ist eine Frau, aber in ihrem Kinoauftritt ist sie vor allem ein Mensch.

Szenenbild Captain MarvelGenderdebatte hin oder her, „Captain Marvel“ macht kein großes Aufsehen um das Geschlecht der Protagonistin, sondern führt sie mit einer gesunden Selbstverständlichkeit ein und stellt ihr selbstverständlich noch weitere starke Frauenfiguren zur Seite. Carol Denvers muss genauso Mobbing, Rückschläge und Selbstzweifel durchlaufen wie Steve Rogers oder Peter Parker, muss genauso lernen, ihre Kräfte zu beherrschen. Nur ein typischer Marvel-Schinken also? Nein, und damit kann an dieser Stelle der eigentliche Film besprochen werden.

Selbstfindung wird in „Captain Marvel“ besonders wörtlich genommen. Die klassische Origin-Story läuft hier gewissermaßen rückwärts ab, weil die Heldin, die bereits Superkräfte besitzt, ihr Gedächtnis wiedererlangen muss. Dabei wird sie nicht einmal von einer Liebesgeschichte gestört (große Seltenheit), und diese vermisst man auch nicht. Ebenso fehlt der klassische Superbösewicht, weil „Captain Marvel“ stattdessen fragt, wer überhaupt gut und wer böse ist. Solche kleinen, aber feinen Modifikationen sorgen dafür, dass der Film nicht im Marvel-Einheitsbrei versinkt, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheinen mag. Deshalb hält sich die Filmreihe ja schon so lange, weil jeder Beitrag seine eigenen Qualitäten besitzt.

Nicht zu vergessen: „Captain Marvel“ spielt als erster MCU-Film in den 1990er Jahren und bringt dadurch zusätzliche optische Abwechslung sowie den passenden Kult-Soundtrack. Natürlich zieht der Film mit diversen Gags die ‚Weißt du noch?‘-Nostalgie-Karte, ruht sich aber auch nicht zu sehr darauf aus. Größtes Highlight des 90er-Settings ist Nick Fury vor seiner Augenklappen-Ära. Darsteller Samuel L. Jackson wurde dafür digital verjüngt, was umwerfend gut funktioniert, und darf eine deutlich witzigere, aufgeschlossenere Version seiner Figur mimen. Darüber hinaus harmoniert er hervorragend mit Brie Larson, wie in einem guten Buddy-Cop-Film (die beiden standen schon in „Kong: Skull Island“ gemeinsam vor der Kamera).

„Captain Marvel“ ist ein unterhaltsames Spektakel in gewohnter Marvel-Qualität. Ein charmantes Prequel für die Abenteuer der Avengers mit einigen Fan-Bonbons, aber auch für sich alleinstehend eine runde Heldinnengeschichte. Neben starken visuellen Effekten menschelt es ebenso stark. Die Kino-Männerdomäne der Superhelden ist um eine ebenbürtige Frau reicher, und das sogar weit weniger sexualisiert als DCs „Wonder Woman“.

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2 Kommentare

  1. Die Problematik bei „Captain Marvel“ ist, dass das übermenschliche hier eine Distanz zur eigentlich menschlichen Figur schafft, die nicht dabei hilft Sympathie aufzubauen. Ganz im Gegensatz zu „Wonder Woman“, wo die nicht menschliche, göttliche Figur durch ihr fehlbar menschliches Agieren so viel sympathischer und nahbarer daherkommt. Was Etablierung und Charakterzeichnung einer weiblichen Superheldin betrifft, hat DC daher immer noch die Nase vorn. Wenigstens hier… 😉

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