Tenet

Filmposter Tenet6.5/10

Originaltitel: Tenet
GB, USA | 2020 | 150 Min. | FSK: ab 12
Science-Fiction, Action, Thriller
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Besetzung: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Kenneth Branagh, Aaron Taylor-Johnson u.a.
Kinostart: 26.08.20
DVD/Blu-Ray VÖ: ?

Links zum Film: IMDb | Wikipedia
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Worum geht’s?

Ein CIA-Agent wird von einer Geheimorganisation rekrutiert, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Dazu muss er international einer Technologie aus der Zukunft nachspüren, die es Menschen und Objekten ermöglicht, sich in der Zeit rückwärts zu bewegen.

Wie ist der Film?

Als wäre ein neues Werk von Christopher Nolan nicht schon Event genug, strahlt „Tenet“ wie ein Leuchtturm im Nebel der Corona-Krise 2020, um ausgehungerte Kinofans endlich wieder vor die Leinwand zu laden. Dieser immensen Erwartungshaltung hält der Film stand, und auch wieder nicht. Nolan-Fans finden in „Tenet“ eine Mischung aus „Memento“, „Inception“, der „The Dark Knight“-Trilogie und einer Prise „Interstellar“, mit welcher der Regisseur/Autor neue Wege ergründet. Galten seine früheren Filme schon als komplex, erreicht Nolan mit „Tenet“ ein ganz neues Level der Komplexität. Das gerät anstrengend.

„Tenet“ verschreibt sich dem Spionagefilm und erweitert das Genre um Science-Fiction über Zeit-Manipulation. Um die Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen der gänzlich paradoxen Handlung zu begreifen, bedarf es vieler Erklär-Szenen, die wiederum in ständigen Schauplatzwechseln verstreut liegen. Alles verschwimmt in einer tristen Farbpallette. Zu allem Übel sind viele Dialoge (OV) akustisch kaum zu verstehen, während das Sounddesign ohrenbetäubend dröhnt – ein Mix-Problem, das Kinobesucherinnen und -besucher auf der ganzen Welt vermelden.

Szenenbild TenetWer verständlicherweise nicht ganz folgen kann, lässt sich einfach auf die Action ein. Wie gewohnt verwendet Nolan so wenig CGI-Hilfe wie möglich, so spektakulär die Ideen auch sein mögen. Heraus kommen einige schöne, sehr organisch wirkende Kämpfe und Verfolgungsjagden, die zwar keine Maßstäbe setzen, durch die Vorwärts-/Rückwärts-Effekte aber individualisiert werden. Weil Nolans Stammkomponist Hans Zimmer verhindert war, springt Ludwig Göransson ein, der für die Musik zu „Black Panther“ einen verdienten Oscar gewann. Hier versucht Göransson jedoch allzu deutlich, Zimmer zu kopieren, insbesondere die „The Dark Knight“-Musik. Dafür erfüllt das Ergebnis seinen Zweck, nämlich den Bildern nochmals ordentlich Schlagkraft zu verleihen.

Bemerkenswert ist die Wahl von John David Washington zum Hauptdarsteller. Abgesehen von „BlacKkKlansman“ war er bis dato eher unbekannt, was sein Engagement als Held von „Tenet“ zum großen Vertrauensbeweis macht. Man wird aber auch das Gefühl nicht los, dass Nolan hier in erster Linie den inoffiziellen ersten schwarzen James Bond vorstellt, der schon so oft diskutiert wurde. Clever. Leider beschloss Nolan auch, seinen Protagonisten im Film unergründlich zu lassen – er hat ja nicht einmal einen Namen. Es mag daran liegen, dass er eine Projektionsfläche bieten soll und die Handlung schon so viel hergibt. Aber dadurch entgeht „Tenet“ die emotionale Zugkraft.

Protagonisten wie Dom Cobb in „Inception“ oder Cooper in „Interstellar“ hatten alle zutiefst persönliche Beweggründe; der Protagonist in „Tenet“ will eigentlich nur einer fremden Frau helfen, die er mag. Eine maue Motivation. Daneben gilt es natürlich, die Welt zu retten, aber dieses Klischee zählt nicht. John David Washington spielt souverän, aber verblasst als Mann fast ohne Eigenschaften. Überstrahlt wird er von Elizabeth Debicki („Der große Gatsby“) in der Rolle der besagten Frau, die immerhin um ihren Sohn kämpft. Als eindringlicher Superschurke erweist sich Kenneth Branagh („Dunkirk“). Robert Pattinson („Der Leuchtturm“) als Sidekick an der Front? Kann man mal machen.

„Tenet“ ist eine James-Bond-Formel ohne Witz, aber mit ein paar visionären Erweiterungen oder anders ausgedrückt ein völlig konfuser Sci-Fi-Spionage-Action-Koloss. Die Charaktere und Emotionen werden vom Plot erstickt. Nolan liefert beeindruckend inszeniertes und faszinierend durchdachtes Kino, aber bei diesem Versuch, sich selbst erneut zu übertrumpfen, verliert er die Bodenhaftung.

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