Funny Games

Filmposter Funny Games

7.5/10

Originaltitel: Funny Games
AT | 1997 | 104 Min. | FSK: ab 18
Thriller
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Besetzung: Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering u.a.
Kinostart: 11.09.97
DVD/Blu-Ray VÖ: 16.11.05

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Vater Georg, Mutter Anna und Sohn Schorschi beziehen ihr großes Ferienhaus an einem See in Österreich. Aus heiterem Himmel erscheint ein überaus höflicher junger Mann, der Anna um vier Eier zum Kochen bittet. Wenig später gesellt sich ein zweiter Mann hinzu. Als Anna sich trotz anhaltender Freundlichkeit der beiden Männer belästigt fühlt, beginnt die Stimmung zu kippen. Es stellt sich heraus, dass die Kleinfamilie Opfer zweier sadistischer Psychopathen geworden ist.

Wie ist der Film?

Komische Spiele werden nicht nur von den Hauptfiguren gespielt, Regisseur und Autor Michael Haneke treibt sie auch mit seinem Publikum. „Funny Games“ reflektiert mit Gewalt über Gewalt, nämlich auf die spezielle Art und Weise, wie Haneke sie inszeniert. Erst auf den zweiten Blick entzieht sich der Film dem Genre, dem er vermeintlich angehört, indem er bewusst wie geschickt mit Konventionen bricht.

Technisch kann „Funny Games“ mit einer sehr inspirierten, manchmal gewöhnungsbedürftig lakonischen Kameraführung begeistern; schauspielerisch sowieso. Besonders der inzwischen leider verstorbene Ulrich Mühe („Das Leben der Anderen“) sowie seine Filmpartnerin Susanne Lothar spielen unheimlich intensiv und treffen dabei stets den richtigen Ton. Der Knackpunkt ist die Handlung, verbunden mit der Intention dahinter. Viele sind darüber so verärgert, dass sie kein nettes Wort mehr für die weiter oben genannten Punkte übrig haben. Das andere Extrem ist jedoch mindestens ebenso zahlreich vertreten.

Haneke kommentiert die Gewalt in den Medien – speziell die Gewalt im Kino – mit einem Gegenentwurf: Blutige Handlungen finden fast nur im Off statt, dafür werden Reaktionen und Auswirkungen mit einer Beharrlichkeit eingefangen, die gewollt auf Unerträglichkeit abzielt. Der betont realistisch dargestellten Familie wird das Gewaltkino gegenübergestellt, personifiziert in einem stereotypen Duo, den beiden jungen Herren, die sich mal Peter und Paul, mal Tom und Jerry, mal Beavis und Butt-Head nennen, die nur leere Hülsen sind und keine Motive mitbringen, sodass man sie mit beliebiger Fiktion „füllen“ kann. So verlagert Haneke typische Schwerpunkte und zeigt mit dem Finger auf die Leute, die sich den Film ansehen.

Für diese Botschaft halten ein paar irritierende Stilmittel hin, z.B. eine in die Kamera sprechende Hauptfigur. Hin und wieder greift Haneke als Regisseur in die Geschichte ein, vor allem in der berüchtigten Szene mit der Fernbedienung. Was vielerorts als ärgerlicher Negativpunkt bewertet wird, weil man aus dem Bann der Handlung gerissen wird, ist insofern ein gewitzter Schachzug, als Haneke so seinem Publikum vor Augen führt, dass es sich soeben hat manipulieren lassen und voyeuristisches Vergnügen oder Ähnliches empfunden hat.

„Funny Games“ ist ein bitterbös ironischer Thriller mit satirischen Elementen. Spannend, obwohl oder gerade weil im Mainstream gängige Mittel zur Spannungserzeugung oft bewusst umgangen werden, originell inszeniert und vor allem stark gespielt. Die von der Presse oft betonte Unerträglichkeit in der Darstellung des Leids der Familie darf als leichte Übertreibung abgetan werden. „Funny Games“ hat letztlich trotz aller Bemühungen, sich auf eine gewisse Metaebene zu begeben, (zu) viel Ähnlichkeit mit den filmischen Gewaltbanalitäten, die er kritisch beäugen will. Dieser Psychothriller hat seine Daseinsberechtigung, wird aber vermutlich nicht sonderlich gut altern, da blutige Filme ohnehin zunehmend eine Tendenz zur Selbstironie entwickeln bzw. entwickelt haben.

Schleierhaft bleibt, ob Haneke wirklich so viel Ahnung von der medialen Gewalt hat oder die Botschaft eher um der Botschaft willen ausgebreitet wird. „Funny Games“ schwankt zwischen aufrüttelnder Gesellschaftskritik und selbstverliebtem Pseudointellektualismus – aber so oder so erreicht der Film letztendlich doch sein grundlegendes Hauptziel: Er verleitet unweigerlich zu Diskussionen.

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