Akte X

DVD-Cover Akte X

7.5/10

Originaltitel: The X-Files
USA | 1993–2002, 2016 | ca. 43 Min. | FSK: ab 16
Krimi, Science-Fiction, Mystery, Horror, Fantasy, Thriller
Regie: Chris Carter u.a.
Drehbuch: Chris Carter u.a.
Besetzung: David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi u.a.
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.11.08/18.12.15

Links zur Serie:
IMDb | Wikipedia
Bilder © 20th Century Fox

Worum geht’s?

FBI-Agentin Dana Scully erhält den Auftrag, ihren Kollegen Fox Mulder zu überwachen. Dieser brütet in seinem Kellerbüro über paranormalen Phänomenen, wofür er meist nur belächelt wird. Mulder ist der Überzeugung, dass seine Schwester von Außerirdischen entführt wurde und sucht fieberhaft nach Antworten. Scully als ausgebildete Ärztin und Wissenschaftlerin ist sehr skeptisch, doch als die beiden mit unerklärlichen Fällen – den X-Akten – betraut werden, bilden sie ein unschlagbares Team.

Wie ist die Serie?

Jalousien-Schatten auf rätselhaften Gestalten verleihen der Serie zu Beginn einen wohligen Film noir-Touch. Gleichzeitig vermittelt die angedeutete Regierungsverschwörung erstaunliche Parallelen zum NSA-Skandal um Edward Snowden, der erst 20 Jahre später stattfinden wird. Gleich in der dritten Folge („Das Nest“) erschaffen die Autoren einen überall eindringenden Killer, den das Publikum auf Grund seiner anatomischen Eigenart nie mehr vergisst. Schnell erweist sich „Akte X“ als vielseitige Serie – und schöpft ihr Potenzial immer weiter aus.

Um die Serie zu begreifen, sind ihre Episoden in zwei Kategorien einzuteilen. Wann welche Kategorie dran ist, kann man nie genau wissen, was „Akte X“ zu einer großen Wundertüte macht. Die erste, oftmals emotionalere Kategorie widmet sich dem ‚myth arc‘, also der folgenübergreifenden Handlung. Was das Schicksal für die Hauptfiguren bereithält, ob es Außerirdische gibt und wenn ja, was sie mit der Menschheit vorhaben, das sind hier die wiederkehrenden Fragen. Konkrete Alien-Begegnungen gibt es interessanterweise erst im fortgeschrittenen Serienverlauf. Vor allem ist „Akte X“ eine Mystery- und Krimi-Serie mit zarten Horror-Elementen, die sich um Vertuschungen durch nebulöse Eliten dreht. Auch wer mit Science-Fiction wenig anfangen kann, sollte einen Blick riskieren.

Die Episoden der zweiten Kategorie behandeln das sogenannte ‚Monster of the week‘ und erzählen jeweils eine abgeschlossene Fall-Geschichte, die kein besonderes Vorwissen erfordert. Hier tauchen verschiedenste Antagonisten auf und verschwinden genauso schnell wieder. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass besonders markante Killer, wie etwa der hypnotisierende ‚Pusher‘ (Staffel 3), Jahre später eine überraschende Rückkehr feiern. In den ‚Monster of the week‘-Folgen toben sich die Macher so richtig aus. Subtiler Humor – siehe die wunderbare Kakerlaken-Folge „Krieg der Koprophagen“ (Staffel 3) – oder gar Klamauk – siehe „Böses Blut“ (Staffel 5) – garantieren gelegentliche Auflockerung im sonst eher ernsten Grundton. Den Begriff ‚Alien‘ begreift „Akte X“ gerne auch als Metapher für Ausländer („Chupacabra“, Staffel 4) oder schlicht Außenseiter.

Akte X BoxIn der formalen Gestaltung oder Erzählperspektive findet „Akte X“ ebenfalls reichlich Abwechslung. „Der große Mutato“ (Staffel 5) hält sich in nostalgischem Schwarzweiß, „Vollmond“ (Staffel 7) gibt sich als Folge einer Reality-Show aus, „Hunger“ (Staffel 7) schildert die ganze Geschichte aus Sicht des Monsters. Auftritte späterer Berühmtheiten sind ein weiteres Markenzeichen. Jack Black oder die „Breaking Bad“-Stars Bryan Cranston und Aaron Paul sind nur drei von vielen (später) großen Namen, die man aus heutiger Sicht mit Freude in alten Folgen entdeckt. Einzelne Episoden, in denen nur Mulder oder wahlweise nur Scully zu sehen sind, besitzen auch ihre eigenen Reize. Die größte Veränderung erfährt „Akte X“ schließlich ab Staffel 8, in der Mulder und Scully als Team schrittweise ersetzt werden.

Während David Duchovny alias Mulder nur noch vereinzelt auftritt, übernimmt Robert Patrick („Terminator 2 – Tag der Abrechnung“) eine neue Hauptrolle als Agent John Doggett, woran die Fangemeinde natürlich schwer zu schlucken hat. Doch die Autoren meistern die Situation souverän. Doggett ist keine billige Mulder-Kopie, sondern schlicht ein aufrechter Cop, dem man einfach nicht böse sein kann. Zu ihm gesellt sich bald Annabeth Gish („Steel Man“) als Agent Monica Reyes, die im Vergleich zu Scully einen etwas freizügigeren Part bedient. Der Humor rückt in Staffel 8 in den Hintergrund. Staffel 9 kann die neue, schwierige Figurenkonstellation nie wirklich bändigen und sorgt für ein seltsames Durcheinander, in das Scully mit ihrer beratenden Funktion hineingezwungen wirkt.

Das Finale der neunten und zwischenzeitlich letzten Staffel nutzt als Aufhänger eine Gerichtsverhandlung, um den ganzen ‚myth arc‘ kompakt revuepassieren zu lassen und alle liebgewonnen Figuren nochmal zu zeigen. Den großen Abschluss gibt es nur bedingt. Auch deshalb blickten Fans gespannt auf den zweiten „Akte X“-Kinofilm, der 2008 erschien. Dieser stellte sich leider als überflüssig heraus. Doch weder bei der Fangemeinde, noch bei den Stars riss die Begeisterung für den „Akte X“-Kosmos ab. So startete 2016 ein kleines Comeback mit Mulder und Scully in sechs neuen Folgen. David Duchovnys gewohnte deutsche Synchronstimme wurde leider ersetzt, doch die Umgewöhnung fällt nicht allzu schwer.

Staffel 10 knüpft betont an die 90er-Blütezeit der Serie an, was schon der Retro-Vorspann beweist. Andererseits besitzt sie den typischen Digital-Look heutiger Produktionen. Die Mischung aus Nostalgie und Modernisierung funktioniert im Großen und Ganzen. Kenntnis der früheren Staffeln ist von großem Vorteil, aber nicht notwendig. Schöpfer Chris Carter deckt in den sechs Episoden alle essentiellen Markenzeichen der Serie ab. Eine schlüssige Erklärung, warum Mulder und Scully ihre alten Jobs dauerhaft wieder aufnehmen, fehlt – offenbar aus Zeitgründen. Schwamm drüber. Der große ‚myth arc‘ wird genauso aufgegriffen wie neue ‚Monsters of the week‘, mal dramatisch, mal komisch. Als klarer Unterhaltungshöhepunkt tritt die witzige dritte Folge „Mulder und Scully gegen das Wer-Monster“ hervor, die einen clever-selbstironischen Blick auf das Menschsein wirft.

Die große Experimentierfreude der Serie wie auch ihre stattliche Gesamtlänge bringen automatisch eine schwankende Qualität mit sich. Dass die X-Akten im Laufe der Handlung andauernd geschlossen und dann doch wieder geöffnet werden, ist beispielhaft für die Schwierigkeit, ein Konzept immer weiter am Leben zu erhalten. Dramaturgisch hätte der Serie ein Ende nach Staffel 7 gutgetan. Aber die große Nachfrage spricht für sich, und auch in den jüngsten Staffeln bleiben sich die Macher treu. Die ganze Wahrheit wird wohl immer irgendwo da draußen bleiben, doch „Akte X“ hat für das Mystery- und Krimi-Genre Großes geleistet, mit dem wichtigsten Ermittlungsduo der Popkultur.

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