Gone Girl – Das perfekte Opfer

Filmposter Gone Girl

8/10

Originaltitel: Gone Girl
USA | 2014 | 149 Min. | FSK: ab 16
Thriller, Krimi, Drama, Romanadaption
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn
Besetzung: Ben Affleck, Rosamund Picke, Tyler Perry u.a.
Kinostart: 02.10.14
DVD/Blu-Ray VÖ: 05.02.15

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © 2014 Twentieth Century Fox

Worum geht’s?

An seinem fünften Hochzeitstag verliert Nick Dunne seine Frau Amy. Als er nach Hause kommt, ist sie einfach verschwunden. Detective Rhonda Boney begibt sich mit ihrem Assistenten auf Spurensuche und findet Hinweise, die Nick selbst zum Verdächtigen machen. Da Amy eine bekannte Autorin ist, löst der Fall einen Medienrummel aus, und die Fassade eines vermeintlichen Traumpaares stürzt ein.

Wie ist der Film?

Präzise und kühl, so inszeniert Regisseur David Fincher schon seit vielen Jahren, erst recht seit „The Social Network“, nur ist die Wirkung seines Stils eben auf den Inhalt angewiesen, den er zunächst anderen überlässt. Und in Gillian Flynn, die ihren eigenen Erfolgsroman zum Drehbuch adaptierte, fand Fincher einen wahren Glücksgriff, der „Gone Girl“ zu seinem besten Thriller seit „Fight Club“ macht. Nach der soliden Fingerübung „Panic Room“, dem langgezogenen wie fragmentarischen „Zodiac – Die Spur des Killers“ und dem völlig überflüssigen Remake „Verblendung“ ist „Gone Girl“ endlich wieder ein origineller, anspruchsvoller und dauerhaft packender Krimi, wie er einem so begabten Regisseur gebührt.

Szenenbild Gone GirlClever geschliffene Dialoge, facettenreiche Figuren und raffiniert koordinierte Zeitsprünge beweisen Flynns Talent als Roman- und Drehbuchautorin, während Fincher eine überraschende, aber gut funktionierende Besetzung beisteuert. Ben Affleck („Argo“), der es in seinen Rollen meistens etwas zu gut meint, zeigt hier eine der überzeugendsten Leistungen seiner Schauspielkarriere, weil Fincher ihn zu drosseln versteht und mit ihm die entscheidenden Nuancen herausarbeitete. Rosamund Pike („The World’s End“), die eher durch heitere Rollen bekannt ist, transportiert ein bemerkenswert breites Gefühlsspektrum zum Publikum. Am befremdlichsten wirkt wohl die Wahl von Neil Patrick Harris („A Million Ways to Die in the West“) als fadenscheiniger Exfreund, doch auch er leistet in einer Riege spannender Nebenfiguren gute Arbeit.

Einen entscheidenden Beitrag zur dezent tristen Atmosphäre rund um Eheprobleme, die Finanzkrise und Sensationsjournalismus leistet die Musik von Trent Reznor und Atticus Ross, die nun schon zum dritten Mal für Fincher komponierten. Obwohl bedrohliche Streicher wohl naheliegender wären, harmonieren die elektronischen Klänge beachtlich gut mit den Bildern und sorgen für einen innovativen Touch, ohne sich aufzudrängen.

Praktisch das einzige, was im glänzend durchkomponierten „Gone Girl“ irritiert, ist die scheinbar nicht enden wollende Geschichte. Doch dieser Eindruck führt nur auf trügerische Erwartungen zurück, denn der Film funktioniert eben nicht bloß nach dem Rätsel-Lösung-Prinzip, wie es zunächst den Anschein macht, sondern hat noch viel mehr zu erzählen. Am Ende bleibt ein wohliges Gänsehautgefühl. So funktioniert intelligentes Albtraumkino in seiner subtilsten Form, voller unbequemer zwischenmenschlicher Wahrheiten. „Gone Girl“ ist komplex erzählt, aber nicht anstrengend anzuschauen, lang, aber nahezu ohne Längen, reduziert, aber fesselnd, düster, aber auch herrlich schwarzhumorig. Ein wendungsreicher Thriller auf ganz hohem Niveau.

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Zodiac – Die Spur des Killers

2 Kommentare

  1. Bin voll deiner Meinung, Philipp. Aber warum nur 8 Punkte bei einer so guten Kritik?
    Ich persönlich gebe dem Film 9 von 1O Punkten. Gone Girl ist seit langem einer der besten Thriller und bietet ein Kontrastprogramm zu den sonst so „üblichen“ Blockbustern.

  2. Die Bewertung würde ich so auch geben, denn Gone Girl war für mich seit langem mal wieder ein lohnenswerter Thriller, der sich Zeit für die Geschichte genommen hat und nicht einfach nur in 90 Minuten abgespult wurde wie so manch andere Filme in der Kategorie. Ich mag ja außerdem am liebsten Thriller, die viele Twists haben und wurde diesbezüglich nicht enttäuscht. Zumindest hätte ich am Anfang des Films auf einen anderen Ausgang getippt. Einzig die Kriminalgeschichte selbst und auch die Darstellung des FBI mit ihrer uninteressierten Art am Ende hatte für mich einige Schwächen. Natürlich stand die persönliche Beziehung der Hauptdarsteller im Mittelpunkt, aber dennoch hätte ich mir da etwas mehr Genauigkeit gewünscht.

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